Theoden reitet wieder: Wiederauferstehung und Erlösung in Rohan

Bernhard Hills König T. taucht in der Herr der Ringe Trilogie nicht vor Mitte des Films “Die zwei Türme” auf, aber er macht einen unvergesslichen Eindruck, als er endlich
ins Bild tritt. Erfasst von dem Bösen Sarumans und Schlangenzunge, wird T.s königliche Gestalt auf spektakuläre Art und Weise durch Gandalfs Macht und der Liebe seiner Familie wieder hergestellt.
Es braucht einen Schauspieler von gewisser Gestalt, um so eine Verwandlung bewältigen zu können, und der erfahrene britische Schauspieler passt perfekt. Hier spricht Hill über Theoden, seine Wiederauferstehung und die Freude beim Arbeiten an Tolkiens Trilogie.

Theoden ist so ein starker, komplexer Charakter. Woher holten Sie sich ihre Inspiration, außer von Tolkiens Schriften?
Ich habe mich an einer Art alten, keltischen König, einen irischen König angelehnt. Auch kam mir Henry V in den Sinn. Ich wollte ihn (Theoden) als jemanden darstellen, der direkt aus der ersten Reihe führte. Nicht als einen General, der auf einem Berg steht und die Truppen kommandiert, sondern als jemanden, der mit einem geschliffenen Schwert da raus geht und Leib und Leben riskiert.

Wie war es Anführer von Rohan zu sein?
Ich liebe das Rohan-Konzept und die Idee, dass es so etwas wie eine uralte keltische Rasse ist. Ich habe viel irisches Blut in mir - meine Omas waren irisch - und ich hab mich sehr wohl gefühlt, mit all diesen Extras die das Volk von Rohan ausmachten, kostümiert zu werden.

Können Sie über Theoden und seine Rolle als Vaterfigur für Eowyn sprechen?
Nach T.s Wiederauferstehung ist er voller Selbstzweifel und Schuldgefühlen. Er denkt, er hätte seine Nichte im Stich gelassen. Als er sie zum ersten Mal seit Jahren lachen sieht, weil sie in Aragorn verliebt ist, macht ihm das eine große Freude. Es ist Teil des Prozesses, in dem sich sein wahres Selbst erholt. Es ist der große Lichtbogen, der sich eigentlich nicht selbst vervollständigt, bis sie aus der großen Halle von Helms Klamm hinausreiten. Seine Beziehung zu ihr kommt mehr ins Bild, weil er, als sie von den Wargen angegriffen werden, zu ihr geht und sagt: Du musst unser Volk nach Helms Klamm bringen, du musst das für mich tun. Es ist wichtig für ihn, dass er sie auf eine Art als Erfolgsträger sieht, was wieder mal seinen Status als König von Rohan gerechtfertigt.

Was hat Sie zu diesem Projekt gebracht?
Ich war gerade mit der Regie eines Theaterstückes beschäftigt und hatte keine Zeit, nach London zu den Leuten von der Catsting Agentur zu fahren, also hab ich mich auf Videoband aufgenommen. Ich habe einen Freund, der viel Kameraausrüstung und ein kleines Studio hatte und wir haben das Zeug in seiner Scheune aufgebaut und ich hab mir selbst Regieanweisungen gegeben.

Offensichtlich hat es Ihr Videoband geschafft. Erinnern Sie sich daran, als Sie das erste Mal auf das HdR-Team trafen?
Ich hatte ein Telefonat mit den Autoren, Phillippa Boyens und Fran Walsh, was 1 1/2 Stunden dauerte. Sie haben immer weiter zu schnell für mich geredet und ich habe weiter so getan, also ob ich wüsste, wovon sie da sprachen, weil meine Szenen im Originalskript noch nicht ausgepolstert waren. Als ich nach Neuseeland kam, stürmten Fran und Phillippa rein und sagten: Toll! Du kamst einer Glaubenssache wegen, wir werden dich nicht enttäuschen. Und natürlich taten sie das nicht.

Wie war es mit Peter Jackson zusammen zu arbeiten?
Es war wirklich eine tägliche Freude mit ihm zu arbeiten. Petes Enthusiasmus war ansteckend und wenn du den Kopf hängen ließt, dann konntest du ihn nicht zu tief hängen lassen, weil er es nicht getan hat. Jemand sagte “du meinst, er ist nicht müde?” Ich meine, komm schon, dieser Kerl ging jede Nacht mit diesem Hochbetrieb ins Bett.

Sie haben sicher einige unvergessliche Momente von der Produktion...
So wie das erste Mal, wo wir Theoden sehen, als die böse Macht von Saruman aus seinem Körper heraus exorziert wurde und er diese wunderbaren Metamorphose durchläuft. Es ist im Grunde eine Szene zwischen Ian McKellen und mir. Als wir am Set ankamen, um die Szene zu drehen, sagte Pete “Ich weiß nicht was wir hier machen werden. Warum macht ihr beide nicht diese Szene?” Wir machten das und er sagte “Nun ja, sie ist sehr groß.” Also haben wir sie ein wenig runter geschraubt und sie war zu klein. Im Laufe von drei oder vier Tagen entwickelten wir die Szene. Jetzt glaube ich keine Minute, dass Peter keinen Plan hatte. Ich denke, er wollte einfach nicht zu heftig einsteigen.

Wie war es, diese Szenen von der Schlacht um Helms Klamm zu drehen?
Als wir alle dort ankamen, gingen wir zu Bob Anderson, der Kampfmeister. Er hatte seine eigene Art zu lehren und wir gingen eine Probe nach der anderen durch. Dann riefen sie “Action” und die Hölle brach aus. Ich war auf einem großen Pferd, das Deep End, kurz für Dependable, hieß. Es wäre die ganze Zeit unberührt da gestanden.
Wir haben uns mit den Stuntmännern zusammen getan und sie wurden unsere Freunde, unsere Saufkumpanen. Wir hatten Partys in Kneipen und Geburtstage wurden gefeiert. Wir haben auf uns aufgepasst.

Theoden spielt auch eine entscheidende Rolle auf den Pelennor Feldern im dritten Film. Wie unterscheidet sie sich von Helms Klamm?
Helms Klamm war eine Verteidigungsgeschichte, die fast schief gegangen wäre. Wohingegen das auf den Pelennor Feldern ein Angriff ist. Es ist wie die Lichtbrigade. Theoden sagt “Folgt mir, lasst uns angreifen”. Also ist es das komplette Gegenteil von Helms Klamm und viel positiver.

Sie haben gesagt, dass Sie denken, dass “Die Rückkehr des Königs” der beste Film von allen sein wird. Was lässt Sie das glauben?
Ich denke die Geschichte ist die stärkste der Trilogie. Der Inhalt ist emotionaler als der der ersten beiden Filme. Noch dazu hat Peter mit dem dritten Film am längsten gelebt und er wird den Vorteil von allem, was er bei Eins und Zwei gelernt hat verwenden.

Wenn Sie zurück blicken, was ist Ihr Gesamteindruck von Ihrer Zeit bei HdR?
Ich denke, die größte Freude hatte ich am Arbeitsprozess. Jeder war so zusammen geschweißt, so miteinander verbunden, dass es fast wie bei einem Low Budget - Film war, wo niemand für das Geld arbeitet. Und auch in Neuseeland zu sein war eine wertvolle Sache. Es war einfach eine wundervolle Erfahrung dieses Buch genommen und auf die Leinwand gebracht zu haben.

 

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