Im Interview mit Bernard Hill

Auf der Ringcon 2004 stellte sich König Theoden-Darsteller Bernard Hill den neugierigen Fragen der Space View und verdeutlichte die Parallelen zwischen Shakespeare und Mittelerde.

Die Dreharbeiten zu „Der Herr der Ringe“ liegen jetzt etwa vier Jahre zurück. Was für Erinnerungen an das Land und die Crew bleiben nach so einer Zeit erhalten?

Ich sehe noch alles ganz klar vor mir. Neuseeland hinterlässt bei den meisten Menschen einen tiefen Eindruck. Und ich erinnere mich vor allem an die schönen Momente. Und ich habe auch noch Kontakt mit vielen Leuten dort. Ich habe beispielsweise gerade eben erst eine Email an Karl Urban geschickt.

Gab es für dich einen Unterschied zwischen dem „Herrn der Ringe“ und anderen großen Filmproduktionen?

„Der Herr der Ringe“ basiert im Unterschied zu den meisten anderen Filmen auf einem klassischen Roman. Daher muss man ihn auch mit den gebührenden Respekt behandeln. In den Drehbuchbesprechungen lag es Fran Walsh und Philippa Boyens sehr am Herzen, dass der Zuschauer unsere Begeisterung für das Buch im Film spürt. Und die beiden fungierten nicht nur als Drehbuchautorinnen, sie waren viel tiefer in dieses Projekt involviert. Fran arbeitete u.a. auch als Regisseurin für die 2nd Unit und führte bei mehr und mehr Szenen Regie. Ziemlich gegen Ende der Produktion drehten wir meine Todesszene noch einmal nach, weil Philippa den Eindruck hatte, dass wir das noch besser hinbekommen würden und die Szene vor allem noch besser geschrieben werden konnte. So haben sie das Drehbuch noch einmal umgeschrieben. Letztendlich sehen wir Philippas Vision auf der Leinwand. Und Fran führte Regie.

Du bist ein sehr erfahrener Theaterschauspieler und hast vor allem in Shakespeare-Stücken auf der Bühne gestanden.....

Ja, das hat uns auch in vielen Szenen geholfen. Ian McKellen, John Rhys-Davies und ich haben viel Shakespeare-Erfahrung mitgebracht.

Inwieweit hat euch das genau geholfen? Gibt es Parallelen zwischen Tolkiens Beschreibung von König Theoden und den Königen von Shakespeare?

Es gibt auf jeden Fall Parallelen. Ich habe schon so manchen Shakespeare-König gespielt, und es gab eine Szene, die leider der Schere zum Opfer gefallen ist, in der mir die Parallele sehr deutlich bewusst wurde. In der Waffenkammer von Helms Klamm hält König Theoden eine Rede, um die Soldaten zu ermutigen, die sehr viel Ähnlichkeit mit der „St. Crispens Day“ – Rede von Heinrich V hat. Eigentlich eine Schande, dass die Szene rausgeschnitten wurde. Zu Anfang finden sich der Darstellung von König Theoden Elemete von König Lear, später erinnert er an Richard II. und wird zum Schluss zum heroischen Heerführer im Stil von Heinrich V. Der Drehbuchprozess von Philippa und Fran besaß den Vorteil, dass nicht alles von Anfang an festgelegt war, sondern Stück für Stück geschrieben wurde, nachdem, wie es der Drehplan erforderte. Und so konnten die beiden den Schauspielern ihre Rollen genau auf den Leib schreiben. Aber damit nicht genug. Uns wurde sogar die Möglichkeit gegeben, uns zu unseren Rollen zu äußern und selber Vorschläge einzubringen.

Ich halte König Theoden für eine sehr wichtige Rolle in der Geschichte. Zwischen all den unsterblichen Elben und übermenschlichen Helden ist er einer der wenigen Menschen, die auch eine Schwäche besitzen.

Ja, das ist ja auch schon im Buch so. Man hat diese sehr wunderliche, skurrile Fantasy-Welt mit all den Hobbits, den Elben, den Dunedain, den Istari... und ab einen gewissen Punkt bringt J.R.R Tolkien eine menschliche Dynamik zurück in diese Welt und knüpft gleichzeitig eine Parallele zu der Zeit, in der er selber lebt. Tolkien hat immer bestritten, dass sein Buch vom Aufstieg des Faschismus handelt. Aber es ist offensichtlich eine Reflektion jener Zeit, in der er die Geschichte geschrieben hat. Er hat das Thema Faschismus einfach nur sehr verallgemeinert.

Die Ringcon ist ja nicht deine erste Convention. Was denkst du mittlerweile über diesen ganzen Fan-Hype? Kannst du beschreiben, wie man sich fühlt, wenn man ein Idol für so viele Menschen ist?

Um ehrlich zu sein macht mich das etwas nervös. Das ist eine sehr ungewohnte Situation für mich. In meinen normalen Leben versuche ich für gewöhnlich eher nicht aufzufallen.

Trotzdem ist es eine tolle Möglichkeit für die Fans auf solchen Conventions, den wahren Menschen hinter der Rolle kennen zu lernen, und ich finde es toll, dass du so etwas mitmachst. Ich bedanke mich für das Interview.

Danke gleichfalls.

Quelle: Space View, Interview von Stefan Servos, Januar/Februar 2005

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