Ich habe geweint wie niemals zuvor

Am 17. Dezember ist es soweit: Mit „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ geht die lange Reise von Frodo Beutlin zu Ende. Uns hat Frodo Darsteller Elijah Wood, 22, schon jetzt einige Geheimnisse verraten. Außerdem lässt er uns tief in seine Seele blicken und erzählt von großen Gefühlen bei den Dreharbeiten.

Wie hast Du Dich gefühlt, als nach den jahrelangen Dreharbeiten die allerletzte Szene des dritten und letzten Teils des Films im Kasten war?
Ich konnte nur schwer begreifen, dass wir am Ende unser vierjährigen Reise angekommen waren. Der Augenblick war sehr ergreifend, vor allem, weil ich das neuseeländische Team zum letzen Mal sah.

Wie hat dich diese Erfahrung verändert?
Zu Beginn der Dreharbeiten war ich 18, jetzt bin ich 22 Jahre alt. In dieser Zeit hat sich natürlich einiges verändert. Inzwischen bin ich recht bekannt, treffe überall Fans, sogar fu der Straßen nennt man mich Frodo. Abgesehen davon, hat dieses gewaltige Projekt natürlich jeden Einzelnen von uns geprägt. Wir waren 16 Monate in Neuseeland und gingen voll und ganz in unseren einzelnen Rollen auf. Für die Freundschaften, dich ich dort schließen durfte, werde ich ewig dankbar sein.

Was war Dein schönstes Erlebnis?
Der Ausflug mit Orlando Bloom und Billy Boyd zum Surfen im Ozean. Und so viele andere Erlebnisse. Die schönsten Erinnerungen habe ich an die gemeinsamen Stunden unter uns Hobbits. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen.

Während der Dreharbeiten sind offenbar tolle Freundschaften entstanden....
Ja wir Schauspieler, wurden wirklich Gefährten. Und wir werden alle für immer Freund sein.

Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?
Die nötige Ausdauer aufzubringen. Wir haben täglich fünfzehn Stundenlang gedreht, sechs Tage die Woche. Sich für einen Arbeit zu begeistern ist leicht. Aber es ist sehr schwer, gute Listung zu bringen, wenn man total erschöpft ist.

Wie viele Hobbits-Fußattrappen hast Du im Verlauf der Dreharbeiten verschlissen?
Ich habe an den Füßen immer sehr stark geschwitzt, so dass sich der Kleber aufweichte und die ganze Konstruktion instabil wurde. Meine Attrappen musste deshalb wesentlich öfter zur Reperatur als andere. Das letzte Paar habe ich dann gleich ganz behalten dürfen.

Ich hoffe Du ziehst sie nicht an, denn sexy sind sie ja nicht gerade!
Nein! Meine waren sowieso die scheußlichsten von allen! Weil ich darin so fürchterlich geschwitzt habe, fielen sie auch ständig ab. Ich hab täglich anderthalb Stunden gebraucht um sie überhaupt anzuziehen. Das war schrecklich, denn der Klebstoff war eklig glittschig! Na ja immerhin halfen sie uns jeden Tag aufs neue wie ein Hobbit zu fühlen.

Was für Andenken hast Du sonst noch behalten?
Den Ring und mein Schwert natürlich!

Und wo liegt der Ring jetzt?
Gut versteckt in einer Holzschachtel. Ich will ihn nicht sehen oder zeigen. Dort ist er gut verstaut.

Was symbolisiert der Ring deiner Meinung nach?
Die Versuchung uneingeschränkter Macht. Angeblich ermöglicht er dem Ringträger alle nur erdenklichen Dinge, doch in Wirklichkeit bringt er Tod und Zerstörung.

Glaubst Du an Magie?
Ein bisschen schon. Menschen vollbringen doch immer wieder magische Dinge mit ganz normalen, menschlichen Methoden. Wir alle sind zu ein bisschen Magie fähig.

Und welche Szene aus „Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ war für dich am magischten?
Die, in der ich völlig am Ende bin und Sam mich trägt. Ich atme kaum noch, bin dem Tode nahe, und Sam versucht mich zurückzuholen. Sam sagt: „Den Ring kann ich nicht für dich tragen, aber dich schon Frodo“. Jedes mal wenn ich diese Szene sehe, heule ich wie ein kleines Kind.

Gerüchten zufolge soll auch Regisseur Peter Jackson bei dieser Szene geweint haben.
Stimmt. Und das hat mich schwer beeindruckt. Seine Tränen waren so ehrlich. Gleichzeitig gab es mir die Bestätigung, dass ich mit meiner Arbeit auf dem richtigen Weg bin.

Die Dreharbeiten wurden ja total von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Wurden die Szenen , die nachgedreht werden mussten auch so sehr gesichert?
Eigentlich wollten wir so viel wie möglich geheim halten, doch mit einem übergroßen Kampf-Elefanten auf dem Parkplatz war das gar nicht so einfach. Es wurden auch nicht alle Sicherheitslöcher gestopft, aber was macht das schon? Für den ersten Teil war der Überraschungseffekt sinnvoll, doch inzwischen kennt jeder den Stil der Filme. Aber natürlich durften wir den Drehort trotzdem nicht mit unseren Kostümen verlassen.

Regisseur Peter Jackson lief während der Dreharbeiten meistens barfuß herum. Welche Rückschlüsse habt ihr Schauspieler aus den Eigenarten eures Regisseurs gezogen?
Sein Enthusiasmus und seine Kreativität haben mich inspiriert, bis an meine Grenzen zu gehen. Wenn der Regisseur so exzentrisch ist, dass er sogar im Schneetreiben mit kurzen Hosen und ohne Schuhe durch die Gegend läuft, muss man ihm einfach vertrauen. Und ich erkannte nach und nach die Ähnlichkeiten zwischen ihm und Frodo: Peter ist ein Hobbit, klarer Fall.

Und was hast Du mit den Hobbits gemeinsam?
Die liebevolle Einstellung zu Freunden. Außerdem esse und trinke ich sehr gerne. Oh ja damit kann ich mich gut identifizieren. (lacht)

Du siehst mit 22 noch sehr jungenhaft aus. Stört dich das eigentlich manchmal?
Ja. Ich sehe wirklich jünger aus. Ich weiß das, weil ich mich jeden Tag im Spiegel sehe. Das ist lustig.

Nimmst Du es als Kompliment wenn man dich jünger einschätzt?
Na ja, vielleicht, wenn ich älter bin. Jetzt noch nicht. Ich mache diesen Job schon lange, und weil ich schon so früh mit Erwachsenen zu tun hatte, fühlte ich mich oft älter, als ich wirklich war. Ich war aber auch oft frustriert, weil ich in der Vergangenheit selbst von Leuten, die mich gut kannten, wie ein Kind behandelt wurde. Wenn jemand keine Beziehung zu mir hat, kann ich damit leben. Ich sehe immer noch jünger aus, obwohl ich mich jetzt viel älter fühle. Immerhin spiele ich in „Der Herr der Ringe“ einen Hobbit, der schon fast 50 ist.

Hast Du eigentlich während der Dreharbeiten oft von Frodo geträumt?
Ich träume zwar nicht von meinen Rollen, aber sehr wohl von meiner Arbeit im Set. Eigentlich ständig. Einfach so, damit abschließen, das geht nicht.

War es dann schwer für dich, nach diesem körperlich und psychisch anstrengenden Dreharbeiten wieder ins normalen Leben zurückzufinden?
Ja es war schon schwierig. Die ersten sechs Monate habe ich zu Hause größtenteils mit Schlafen verbracht. Mein Leben war durchtränkt von dem Erlebnissen und Bekanntschaften, die ich in Neuseeland gemacht hatte. Ich wusste nicht mehr, was mir das Leben außerhalb dieser Zeit bedeutete. Die Erfahrungen waren einfach zu intensiv.

Außerdem bist Du ja seit dem Erfolg des Filmes ein richtiger Filmstar.....
Nein, kein Filmstar! Das fand ich schon immer komisch. Ich habe erst neulich wieder in einem Artikel gelesen:“ Der große Filmstar Elijah Wood.“ Wie bitte? Davon hab ich nichts mitbekommen.

Trotzdem: Dein Leben muss sich doch verändert haben?
Sicherlich, ich war noch nie bei etwas so Großem dabei, das überall so geliebt wird und erfolgreich war. Manche Dinge haben sich für mich verändert. Ich werde mehr wahrgenommen als vorher. Das hilft natürlich der Karriere. Aber dann ist da natürlich die Sache mit dem Privatleben, das nicht mehr mir allein gehört. Dennoch bin ich glücklich darüber, schon vor „HdR“ eine Karriere gehabt zu haben. Dadurch fällt es mir leichter, mit all diesen Dingen umzugehen. Es hatte also keine schreckliche Auswirkung auf mein Leben. Und natürlich finde ich es lustig wenn Leute auf der Straße „Frodo“ brüllen, wenn sie mich sehen. Ich liebe diesen Enthusiasmus.

Inzwischen bist Du der Schwarm vieler Mädchen. Was war das schlimmste, das dir je mit einem Fan passiert ist?
Da habe ich eine großartige Gesichte. Das war ein ziemlich merkwürdiger Tag. Es war auf einem öffentlichen Platz irgendwo in LA, wo ich mich gerade mit jemanden unterhielt. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch froh, das ich nicht so berühmt war. Mir war damals auch noch nicht klar, dass sich durch „Herr der Ringe“ mein Leben komplett verändern würde. Für die großen Hollywood-Stars, die noch nicht mal aus dem Haus gehen können, ohne erkannt zu werden, empfand ich damals nur Mitleid. Also lief ich die Straße entlang und plötzlich guckten mich aus einer Menge die Augen eines Mädchens an. Sie wurde angezogen wie von einem Magnet und stierte mich nur noch an. Als ich diesen Augenkontakt hatte, wurde mir klar, jetzt wird es ernst. Sie rannte auf mich zu, sprang mich an und begann mich zu küssen. Sie versuchte, mich auf die Lippen zu küssen und ich sagte nur noch: „Hey was soll das!“ Plötzlich standen lauter Menschen um uns herum. Eine von ihren Freundinnen ging schließlich dazwischen. Ich bin dann schnell abgehauen. Da war das Absurdeste, was mir bisher passiert ist.

Was glaubst Du macht den „Herr der Ringe“ so beliebt?
Gerade in unsere heutigen Zeit findet man sehr viele Parallelen zur Thematik von „HdR“. Der technische Fortschritt bedroht unsere Natur. Mordor wäre in diesem Falle die Technologie. Doch es gibt Millionen Auslegungsmöglichkeiten. Denn die Thematik beinhaltet zeitlose und klassische Aussagen, wie etwa die Erkenntnis, dass man die Hilfe von Freunden braucht, wenn man etwas erreichen will.

Trotz seiner Freunde gerät Frodo im dritten Teil der Gesichte immer stärker in den Bann des Ringes. Wie hast Du es geschafft, das schauspielerisch umzusetzen?
Am schwierigsten war es, die finsteren Mächte zu zeigen, die Frodo zum Ende des Films übermannen. Realistisch sollte es wirken, nicht zu übertrieben. Es hat mir Spaß gemacht, die Rolle in alle Facetten zu analysieren.

Und was glaubst Du: Wird der dritte Teil den hohen Ansprüchen der Millionen Fans gerecht werden?
Bisher habe ich zwar nur die letzte Stunde von Teil 3 gesehen, doch ich habe dabei so viel geweint wie niemals zuvor. Er ist noch intensiver, erschütternder und düsterer als die beiden ersten Filme. Von Anfang an war das unser Lieblingsteil, und das sieht man auch auf der Leinwand. Glaubt mir.

Quelle: Mädchen Interview, erschienen im Dezember 20003

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