Orlando Bloom: Man muss ehrlich zu sich selbst sein
Junge war gestern. „Herr der Ringe“ –Star Orlando Bloom ist zum Mann gereift. Und einer der heißesten Singles, die Hollywood zu bieten hat...
Er spielt gern den Helden. Nicht nur im Film, sondern auch im wahren Leben.
Große Gefühle, große Gesten, große Worte: Orlando Bloom
beherrscht alle drei Varianten. Und manchmal wirkt der Schauspieler fast ein
bisschen altmodisch in dem modernen, konsumorientierten Filmbusiness, in dem
er sich bewegt. Denn statt sich auf Hollywood-Partys herumzutreiben, beschäftigt
er sich lieber mit buddhistischer Philosophie. Aus Überzeugung lebte
er bis zum „fleischlastigen“ Dreh von „Herr der Ringe“
streng vegetarisch. Und er spricht gern von dem hohen Anspruch, den er an
sich und seine Leistung als Schauspieler hat. Im Moment ist das Leben das
28jährigen Briten voll im Umbruch. Orlando Bloom ist dabei, sich von
seinem Ruf als Teenie-Idol zu verabschieden. Und unter seinen süß-verwegenen
Bartstoppeln kommt ein interessanter Mann zum Vorschein, der sich viele Gedanken
macht: übers Leben (Jeder sollte bei sich selbst anfangen, das Richtige
zu tun!“), über die Liebe („Ich bin verliebt in die Liebe!“),
über seinen Ruhm („Mir ist das alles peinlich!“). Erst kürzlich
hat er sich von seiner Freundin, der Schauspielerin Kate Bosworth, getrennt.
Die beiden wurden als das junge Traumpaar Hollywoods gehandelt. Doch nach
zwei Jahren Glück kam der Cut. Angeblich, weil sie einen zu vollen Drehplan
und viel zu wenig Zeit füreinander hatten. Und wirklich: Seit seinem
Auftritt als Elb Legolas in „Herr der Ringe“ und junger Will Turner
in „Fluch der Karibik“ kam Orlando Bloom kaum dazu, auch nur einen
Moment Luft zu holen.
In Kürzester Zeit drehte er einen Film nach dem anderen. Darunter so
hochkarätige Produktionen wie die Komödie „Elizabethtown“
mit Kisten Dunst und „Kingdom of Heaven – Königreich der
Himmel“, in dem er wieder den Helden mit Schwert geben darf. Diese beiden
Filme könnten den Jungstar zum berechtigten Erben von Johnny Depp und
Brad Pitt machen. Jolie-Autorin Rachel Clark sprach mit ihm über Buddhismus,
schlimme Lügen und den waren Sinn des Lebens...
Herr Bloom, haben sie eigentlich manchmal das Gefühl, dass alles zu schnell geht in ihrem Leben?
Ja oft.
Und was tun sie dagegen?
Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie, mit meinen Freunden, fahre nach Brasilien, mache Urlaub, verbringe Zeit mit meinem Hund und versuche einfach, zu mir zu kommen.
Sie wirken erwachsener. Liegt das vielleicht auch am Bart, den sie jetzt tragen...
Ja, ich hoffe, das ist jetzt der Übergang für mich vom Jungen zum Mann. Aber ich bin immer noch gerne ein Junge. Trotzdem: In „Kingdom of Heaven“ spiele ich definitiv einen erwachsenere Rolle als bisher.
Haben sie denn immer noch Probleme mit dem Berühmtsein?
Nun, vom Menschlichen her gesehen: Ja. Berühmtheit ist ja nichts Natürliches. Es ist nur eine Frage der Wahrnehmung. Die Leute denken plötzlich, du bist so uns so, und projizieren dann Sachen in dich rein, die gar nicht stimmen. Es ist kein ausgewogenen Urteil, das sie von dir und von deinem Leben, das du führst, haben. Es ist eine ständige Herausforderung für mich, damit richtig umzugehen.
Haben sie schlechte Erfahrungen gemacht?
Ach, es gab so viele Geschichten über mich und irgendwelche tausend Frauen, über mich und meine angebliche Verlobung und dass ich einen Verlobungsring für 300.000 Dollar gekauft haben soll. Als ich das gehört und gelesen habe, dachte ich mir nur: Wie kommen die Leute auf so was? Jeder würde sich ärgern, wenn über ihn Lügen verbreitet würden. Lügen sind echt das Schlimmste.
Seit „Fluch der Karibik“ haben viele Leute Poster von ihnen an der Wand. Sie sind ein echtes Role Model. Welche Message möchten sie ihren Fans mitgeben?
Na ja, das Wichtigste ist doch, dass man erst mal für sich selbst die Verantwortung trägt im Leben. Dass man ehrlich zu sich selbst ist. ich glaube, wenn das jeder beherzigen würde, gäbe es viel weniger Ärger auf der Welt.
Schöner Gedanke, aber das wird nicht so schnell passieren...
Ja, leider. Aber irgendwo muss man ja schließlich anfangen.
Sind sie darum Buddhist geworden?
Der Buddhismus ist in erster Linie eine Philosophie für mich. Ich finde sie faszinierend und sehr konstruktiv, um Dinge zu verstehen, die einem im Leben so begegnen, um neue Lösungsansätze für Probleme zu finden, die das Leben eben so mit sich bringt...
In „Kingdom of Heaven“ spielen sie schon wieder einen Schmied, wie in „Fluch der Karibik“...
Ja, ich wollte nicht aus der Übung kommen (lacht). Um ehrlich zu sein, war ich nicht auf der Suche nach einen neuen Mantel-und-Degen-Film. Ich war gerade fertig mit den Dreharbeiten zu „Troja“, wo ich den Paris spielte. Noch im Flugzeug las ich das Drehbuch zu „Kingdom of Heaven“. Ich war begeistert, auch weil die Rolle des Ibelin das komplette Gegenteil war zu dem Feigling Paris. Also habe ich zugegriffen...
Sie haben für den Film lange in Spanien gedreht. Hat es ihnen dort gefallen?
Ich liebe Spanien. Ich war überwältigt von der Herzlichkeit, die mir die Leute dort entgegengebracht haben. Es ist ja das erste Mal, dass ich in einem großen Film die Hauptrolle spiele. Für mich ist das immer noch ein bisschen ungewohnt.
Also, wenn schon die achtjährigen Mädchen verrückt nach ihnen sind, wie sieht es dann erst bei den 20jährigen aus...
Ach, die sind doch viel zu cool, um sich in mich zu verlieben. Die schwärmen alle nur für Johnny Depp. Er ist der eigentliche Bringer. Ich bin nur der Unterhalter, der Mann in der Zweiten Reihe.
Ach, und wie erklären sie sich das Rekordergebnis von 2,5 Millionen Zugriffen auf ihren Namen bei Google?
Also, wenn es so ein 13jähriges Mädchen glücklich macht, wenn ich ihr ein Autogramm gebe – bitte. Aber diese Leute kennen mich doch nicht wirklich. Sie haben nur ein Bild, eine gewisse Vorstellung von mir.
Und was ist mit den Mädchen, die alles versuchen, nur um an ihre Telefonnummer heranzukommen?
Ehrlich gesagt zieh ich in solchen Situationen gern den Kopf ein. Mir ist so was peinlich.
Wie gehen sie im Alltag konkret damit um, berühmt zu sein? Es behandelt sie doch niemand mehr wie einen normalen Menschen. Sie sind ein Star.
Natürlich gibt es Leute, die mich ganz normal behandeln. Es kommt doch immer darauf an, mit wem man sich umgibt. Ich habe Familie und Freunde. Man muss ja nicht ständig mit anderen Stars, Film-Regisseuren oder irgendwelchen Agenten ausgehen. Es gibt ganz normale Leute, mit denen man abhängen kann, und die scheren sich nicht die Bohne darum, ob ich nun berühmt bin oder nicht. Die haben ganz andere Probleme!
Quelle: Jolie Mai 2005