Im Gespräch mit Karl Urban

Sie brauchen sich über mangelnde Rollenangebote nicht zu beklagen, in gewisser Weise sind Sie ein Star, den niemand kennt...
Ist das nicht fantastisch? Ich brauche keine Castings zu bersuchen, bekomme Rollen in richtig großen Filmen auf dem silbernen Tablett serviert – und kann Spazieren gehen, ohne erkannt zu werden.

Auch nicht von „Herr der Ringe“-Fans?
Von denen werde ich schon erkannt. Aber erstens sind die nett und zweitens ist es natürlich auch Balsam für die Seele eines Schauspieleres, dann doch hin und wieder Mal erkannt zu werden.

Wie kamen sie zum „Herrn der ringe?“
Die Dreharbeiten liefen bereits und des wurde ständig über sie in den Tageszeitungen berichtet, für Neuseeland war das ein unglaubliches Projekt. Als ich dann, sechs Monate nach Beginn der Dreharbeiten, einen Anruf bekam, war ich total überrascht, denn ich wurde direkt für die Rolle des Eomer angesprochen, übrigens ohne Casting. Ich dachte nach dem Gespräch nur: „Wow, jetzt gehörst du dazu“. Nach „Herr der Ringe“ hat sich meine Karriere sehr gut weiterentwickelt, darüber beklage ich mich nicht. Filme verschwinden normalerweise nach kurzer Zeit. Sie laufen im Kino, es kommt zu einer DVD-Auswertung, und das wars. Aber bei „Der Herr der Ringe“ ist es anders, es ist eine Serie, die immer noch präsent ist. Natürlich auch wegen der Vermarktungspolitik mit Extended Versionen, die dann noch einmal auf DVD erscheinen und Material enthalten, das im Kino nicht verwendet wurde. Aber es hat sich zu einem echten Kult entwickelt. Und das können nur wenige Arbeiten wirklich von sich behaupten!

In „Die Bourne Verschwörung“ spielen sie einen eiskalten Killer, ein brutaler Bruch zu ihrem Image als aufrechter Krieger im „Herrn der Ringe“.....
Nun, Matt Damons Figur, Jason Bourne, ist ja eigentlich auch ein Killer. Also so ganz passen diese Schwarz-Weiß-Schemate nicht zu diesem Film, denn meine Figur, Kirill, ist eigentlich nur Jason Bournes Spiegelbild.

Sie sind Neuseeländer – allerdings ist Karl nicht gerade ein angelsächsischer Name....
Mein Vater ist Deutscher, aber leider haben wir zu Hause fast nur Englisch gesprochen, daher ist mein Deutsch sehr schlecht. Als wir „Die Bourne Verschwörung“ in Berlin drehten, habe ich mich wirklich bemüht, wann immer es ging, etwas Deutsch zu sprechen, aber das war gar nicht so leicht an einem internationalen Set. Ich kann ganz gut Deutsch lesen, um aber die Hauptrolle in einem deutschen Film zu spielen, dafür reicht es leider, leider nicht....

Interview by Christian Lukas, Space View, Ausgabe Jan/Feb. 2005

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