Orlando Bloom: „Eigentlich wollte ich nie wieder einen Historienfilm drehen!“

Fünf Jahre nach „Gladiator“ beschert uns Ridley Scott mit „Königreich der Himmel“ erneut ein monumentales Historienepos. Treffpunkt Kino traf den Regisseur und seine Stars zum Gespräch.

>Warum interessiert uns heute eine Geschichte über die alten Kreuzfahrer?

Bloom: Weil sie eben keine alte Geschichte ist. Sie dreht sich um die großen Fragen des Lebens, die uns alle bewegen. Der Held, den ich spiele, hat Frau und Kind verloren, und er versucht mit diesem Leid zurechtzukommen. Deshalb sucht er im Heiligen Land Antworten. Dadurch werfen wir gleichzeitig ein Schlaglicht auf politische Themen. Denn heute wie damals wird diese Gegend von Kriegen heimgesucht. Da gibt es hoch interessante Parallelen.

>Wollten sie ein Statement zur Weltpolitik abgeben?

Bloom: So weit wollten wir sicherlich nicht gehen. Der Zuschauer soll selbst seine Schlüsse ziehen. Ridley Scott ist ja kein Dokumentarfilmer.
Scott: Es kommt bei diesen epischen Filmen einfach darauf an, dass eine persönliche Geschichte ins Zentrum rückt die für das Publikum Aussagekraft hat. Spektakuläre Bilder allein reichen nicht.
Bloom: Ich hätte bei einem reinen Spektakel auch nicht mitgemacht, denn eigentlich wollte ich nach „Troja“ kein Historienprojekt mehr drehen.

>Aber gehen wir nicht wegen solcher Bilder ins Kino?

Scott: Die bekommen sie ja auch. Wir bauten unter anderem ganze Stadtteile des alten Jerusalem auf; es gibt Schlachten mit tausenden Statisten. Sie werden Augen machen.
Eva Green: Es sah wie im 12. Jahrhundert aus. Ich habe mich immer wieder gezwickt, denn ich glaubte, ich würde träumen.
Marton Csokas: Die äußeren Dimensionen waren so riesig, dass ich vor lauter Ehrfurcht richtig nervös wurde. Ich versuchte mich mit allen Mitteln wieder einzukriegen, denn ich wollte den Dreh nicht vergurken. Die einzige Lösung war es, jede Szene in- und auswendig zu studieren, damit ich keine Fehler machte. Außerdem trainierte ich permanent für meine Schwertkampfszene, denn die physische Anstrengung half mir bei der Konzentration.
Green: Da warst du ja noch gut dran. Ich erfuhr erst eine Woche vor Beginn der Dreharbeiten, dass ich die Rolle hatte. Ich las dann Dutzende von Büchern, hörte alte Musik und sah mir Gemälde an, um mich darauf einzustimmen. Training gab`s für mich nicht, denn ich hatte keine Kampfszenen. Die ganze Zeit war ich unsicher, ob ich diese Rolle gut hinkriege.

>Hat ihnen Ridley Scott da nicht geholfen?

Green: Doch, auf jeden fall. Er versteht, wie verletzlich du als Schauspieler bist, und deshalb schafft er eine Atmosphäre der Sicherheit. Er sagte zu dir: „Das war gut“, selbst wenn du in einer Szene furchtbar warst. Dann meint er ganz sanft: „Aber wie wäre es, wenn du es mal anders probierst?“ Kein einziges Mal zeigte er auch nur eine Spur von Stress und Anspannung. Ich habe noch nie so einen Mann getroffen.
Jeremy Irons: Ich habe schon mit vielen Regisseuren zusammengearbeitet, und Ridley Scott ist einer meiner besten Erfahrungen. Er lässt sich gern von Schauspielern überraschen. Und das ist das Erstaunliche bei einer so großen Produktion wie dieser: Letztendlich spielt der riesige äußere Aufwand keine Rolle. Denn im Zentrum stehen der Regisseur und die Schauspieler; und hier gelten die gleichen Gesetze wie bei einem kleinen Theaterstück.

>Aber im Theater aufzutreten ist sicherlich gemütlicher, als in Rüstung durch die Wüste zu reiten?

Bloom: Das können sie laut sagen! Wir drehten über 130 Tage, sechs tage die Woche. Und unsere Schauplätze in Marokko, Spanien und den Pyrenäen waren zwar schön, aber auch äußerst anstrengend.
Scott: Das Schlimmste waren die Windböen in Marokko. Die begannen kurz vor zehn Uhr und hielten den ganzen tag über an. Und das während der gesamten Drehzeit. Es war mörderisch!

>Warum drehen Sie dann überhaupt unter solchen Umständen?

Scott: Das ist doch alles viel authentischer und realistischer. Da musst du nur durchhalten. Mein Vater war bei der Armee, auch meine Mutter war ziemlich zäh – da bin ich mit guten Genen ausgestattet. Schon als kleiner Junge bin ich wie ein Indianer durch die Wälder und Wiesen gezogen.
Bloom: Du musst schon eine Rolle bis zum Letzten auskosten. Und wenn du physisch am Ende bist wie deine Figur, dann ist das ein gutes Zeichen. Letztlich war dieser Film selbst ein richtiger Kreuzzug. Wenn ich wieder so einen Heerführer wie Ridley Scott bekommen, dann bin ich sofort wieder bereit!

Quelle: Interview: Rüdiger Sturm/ Ausgabe Mai 05/2005)

 

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