Zauberhafte Liv Tyler

Ihr leben ist wie ein Traum: Sagenhafte Karriere, glücklich verheiratet – und Mutter wird Liv Tyler jetzt auch noch

„Egal ob Karriere oder sonst etwas- ich plane so gut wie nichts. Ich folge immer meinen Herzen“

Die schönste Nachricht möchten wir Ihnen gleich am Anfang verraten: Liv Tyler ist schwanger. Im Dezember erwarten sie und ihr Mann, der britische Rockmusiker Royston Langdon, ihr erstes Kind: „Roy ist überglücklich, wir freuen uns irrsinnig auf das Baby und können es kaum erwarten, bis es endlich da ist“, jubelt Liv. Von einer großen Familie hat sie schon immer geträumt. „Mein ganzes Leben lang wusste ich, dass ich unbedingt Kinder haben will. Am liebsten fünf.“
Vor einiger Zeit haben wir Liv zum Fotoshooting getroffen. Da weiß sie noch nichts von ihrem neuen, dem ganz großen Glück. Sie sitzt mehrere tausend Meilen entfernt von ihrem Wohnort New York und ihrem liebsten Roy an einem Ort mitten in den Rocky Mountains, so hoch über dem Meeresspiegel, dass dort manchmal sogar schon im Spätsommer Schnee liegt. Wir sind, um es genau zu sagen, in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming in der „Millioin Dollar Cowboy Bar“, einer urigen Kneipe im Western Style mit allerhand antikem Cowboy an den Wänden und Songs über Whiskey und Herzsschmerz aus der Jukebox. „Seid doch mal ruhig und schaut euch an, wo wir hier sind!“, ruft Liv fasziniert. „Irgendwo im Nirgendwo. Mitten in der Wildnis, in den Bergen. Ist das nicht unglaublich?“ Sie trägt Jeans und ein flauschiges Goretex-Shirt. In der einen Hand balanciert sie eine Cola, in der anderen einen Tequila (wie gesagt, da war sie noch nicht schwanger), während sie versucht, dich an der Bar niederzulassen. Was nicht so einfach ist: Hier gibt es keine klassischen Hocker, sondern nur auf Pfosten geschraubte Cowboysättel. „Sieht ja etwas unvorteilhaft aus, wenn man da drauf sitzt. Beim ersten Rendevouzs würde ich die nicht empfehlen“, sagt Liv und kichert. „Die sind ja unglaublich, diese Dinger!“ Unglaublich ist ihr absolutes Lieblingswort. Sie benutzt es dauernd und für alles. Egal ob sie über ihre neue Lieblingsband, die Kings of Leon, spricht oder von der Dokumentation über die Ureinwohner Amerikas erzählt, die sie gestern Nach im Discovery Chancel gesehen hat. Liv ist völlig aus dem Häuschen und ihr Enthusiasmus, ihr Begeisterungsfähigkeit sind so unglaublich groß, dass sie in Nullkommanix jeden im Raum mit ihrer guten Laune ansteckt.
Mindestens genauso unglaublich ist, dass sie überhaupt so munter ist. Denn heute Morgen ist sie schon um halb fünf aufgestanden und hat den ganzen Tag draußen in der Kälte vor der Kamera verbracht. So mancher Star hätte sich da beschwert, zumindest zwischendurch eine Aufwärmpause verlangt. Aber nicht Liv. Sie hatte Spaß: „Ich saß da auf einem Stuhl im Schnee in einem Kleid von Roberto Cavalli und über diesen riesigen Schneebedeckten Bergen ging gerade die Sonne auf“, erzählt sie mit leuchtenden Augen wie ein kleines Mädchen, das gerade von ihrer letzten Geburtstagsparty schwärmt. „Es waren nicht viel mehr als null Grad. Und auf einmal liefen Büffel um mich herum! Und Elche! Einfach unglaublich.“
Starallüren kennt Liv nicht. Obwohl sie sich längst welche leisten könnte. Denn mit 26 Jahren gehört sie zur absoluten Topliga in Hollywood. Ihre Rolle der zauberhaften Elbenprinzessin Arwen in der Erfolgstriologie. „Der Herr der Ringe“ hat ihrer Karriere einen wahren Höhenflug beschert. Als Nächstes werden wir sie in „Jersey Girl“ sehen können, einer romantischen Komödie, in der sie sich in Ben Affleck verliebt. Und die Krönung ihres Erfolgs: Liv Tyler, bekennende Fashion-Liebhaberin, bekam einen Werbevertrag als Model für das traditionsreiche französische Modelabel Givenchy. Damit tritt sie die Nachfolge der legendären Audrey Hepburn an. „Mehr als je zuvor sehne ich mich nach Aufgaben, die meine ganze Leidenschaft fordern“, sagt Liv.
Dieser Satz passt zu ihr, denn so war sie eigentlich schon immer: sich selbst treu und immer nur etwas tun, hinter dem sie wirklich steht. Auch wenn es manchmal Umwege bedeutet. Mit 19 spielte sie in Bernardo Bertoluccis „Gefühl und Verführung“ und wurde danach als Hollywoods neues Sweatheart gehandelt. Doch was macht Liv? Schert sich nicht darum und dreht, abgesehen vom Filmhit „Armageddon“ lieber eine Reihe ambitionierter Independent-Filme wie „Inventing the Abbotts“ und „Cookies Fortune“. Sie war auf keine Schauspielschule, mag keine Proben und macht um Geschäftsmeetings einen Bogen. „Ich habe meine Karriere nie geplant,“ sagt sie. „Ich wüsste nicht, wie das geht. Ich folge einfach immer meinen Herzen.“
Liv Tyler hatte ja nicht einmal vor, Schauspielerin zu werden. „Nein, ich wollte Sängerin werden. Meine Mutter erzählt noch heute, dass ich im Kinderzimmer zu Janis Jopling und Mötley Crüe abgerockt habe.“ Kein Wunder, eine Dosis Rock bekam sie quasi schon mit der Muttermilch verabreicht. Aufgewachsen ist Liv auf dem Land in Maine, in New York City und Washington. Ihre Mutter Bebe Buell, selbst Sängerin und früher mal „Playboy“-Model, war mit Mick Jagger und Rod Steward befreundet. Bis zu ihrem neunten Lebensjahr hält Liv den Rockmusiker Todd Rundgren für ihren Vater. Doch dann stellt ihre Mutter ihr auf einem Konzert ihren wirklichen Vater vor: Aerosmith-Leadsänger Steven Tyler. „Ich hatte erst keine Ahnung, wer das ist. Meine Mutter zeigte auf den Mann, der an der Bar stand und ich sagte zu ihr: Mein Gott, ist das etwa Mick Jaggers Sohn?“ Bei diesen etwas unkonventionellen Familienverhältnissen konnte sich Liv eine Ehe lange Zeit überhaupt nicht vorstellen. „IN meiner Kindheit habe ich so vielen Arten von Beziehungen mitgekriegt. Klar wollte auch ich kein Leben ohne Liebe, aber an die Ehe habe ich nicht geglaubt, weil ich nichts von Scheidungen halte“, erklärt sie. „Als ich Roy traf, habe ich dann zum ersten Mal ernsthaft darüber nachgedacht. Man weiß einfach, wenn es der Richtige ist.“ Die beiden ließen sich Zeit. Erst nach fünf Jahren machte Roy, früher Frontman der Rockgruppe Spacehog, ihr einen Heiratsantrag. „Es war so romantisch“, sagt Liv. „Zuerst hat er meinen Vater angerufen und ihm um seine Zustimmung gebeten. Mein Vater hat ihn dafür geliebt.
Auch danach haben sie nichts überstürzt. Die Traumhochzeit wurden in aller Ruhe geplant. „Im Grunde sind Roy und ich sehr schüchtern. Darum war das Wichtigste für uns, dass alles sehr intim wird.“ Die Trauung fand letztes Jahr im März im ganz kleinen Rahmen und ganz romantisch in einem Strandhaus auf Barbados statt, einen Monat später gab es dann in New York eine größere Hochzeitsfeier für etwa hundert Gäste, darunter Livs Familie, Roys Bruder Antony und Sänger Evan Dando. „Das war schon ein unglaubliches Erlebnis, denn Todd (der Ziehvater) und Steven (der Vater) kannten sich bis dahin nicht persönlich – und dann noch meine Mutter dazwischen“, sagt Liv.
“Ich habe zu allen zwar eine sehr enge Beziehung, aber zwischen ihnen gab es noch eine Menge Dinge, die nicht geklärt waren. Ich bin Sternzeichen Krebs und will immer, dass alle glücklich sind, also war das ganz schön hart für mich. Aber es ist wunderbar gelaufen und am Ende war es für alle ein heilsamer Prozess.“
Gleich nach der Hochzeit stürzen Liv und Roy sich auf die Renovierung ihres vierstöckigen Stadthauses in Manhattan – ein Abenteuer. „Schrecklich, es war wie ein Fass ohne Boden. Wir kamen uns vor wie Tom Hanks in Film ,Geschenkt ist noch zu teuer,. Immer wenn wir dachten, jetzt haben wir es geschafft, gings irgendwo wieder von vorn los“, sagt Liv mit einem entnervten Lassen-sie-uns-bitte-nicht-weiter-darüber-reden-Blick.
Liv Tyler leert ihr letztes Glas Tequila (nach dem zweiten haben wir nicht mehr mitgezählt! Aber wie gesagt: Da war sie noch nicht schwanger), steigt vom Barhocker, indem sie sich vom Sattel schwingt, und taumelt fast ein wenig. „Sorry“, sagt sie und kichert. „Ich glaube, ich bin ein bisschen betrunken.“ Dann nimmt die Schauspielerin ihre rote Daunenjacke vom Hacken, lässt ihre langen Arme in den Ärmeln verschwinden und verlässt die „Million Dollar Cowboy Bar“. Draußen ist es längst tiefschwarze Nacht geworden. Liv stößt einen langen, herzhaften Seufzer aus: „Ach, war das ein schöner Tag!“ Man könnte auch sagen: ein ganz unglaublicher Tag. Und davon wird es in Zukunft für Liv Tyler ganz sicher viele geben. Spätestens ab Dezember, wenn ihr Baby da ist. Und die Nächte werden dann wahrscheinlich ebenso kurz wie die in Jackson Hole.

Quelle: Interview by Josh Rottenberg Instyle August/September 2004


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