Orlando Bloom
Erst einmal eine ziemlich klassische Frage: Was sind die Nachteile deines neues
Star-Daseins?
Für eine derart klassische Frage wird Sie meine Antwort vielleicht wundern.
Meiner Ansicht nach ist es nicht wirklich ein Nachteil, wenn man auf der Straße
erkannt wird oder den lieben langen Tag Interviews geben muss. Für mich
gehören diese Dinge dazu und ich kann mich problemlos damit anfreunden.
Der daraus entstehende Zeitmangel ist allerdings ein reelles Problem für
mich. Seit dem Erfolg der Triologie ist mein Terminkalender so verplant, dass
ich kaum Zeit für mich selbst habe.
Wofür zum Beispiel fehlt dir die Zeit?
Vorher hatte ich viel Spaß daran, regelmäßig meine Freunde
anzurufen, sie zu sehen und mich mit ihnen zu amüsieren. Heute sage ich
ihnen meistens, dass ich sie zurückrufe und letztendlich habe ich dann
nicht die nötige Zeit dazu. Das sieht mir gar nicht ähnlich und geht
mir ganz schön auf die Nerven. Ich nehme Rücksicht auf Menschen, die
ich mag und seit einiger Zeit habe ich zu einigen von ihnen zwangsläufig
ein bisschen Abstand gewonnen. Glücklicherweise sind sie intelligent genug,
keine falschen Schlüsse daraus zu ziehen.
Und was würdest Du noch gerne tun, wenn du mehr Zeit hättest?
Mich mehr um meine Fans kümmern, denn oft tut es mir leid, dass ich nicht
genug Zeit für sie habe. Oft erhalte ich wunderbare Briefe, unglaubliche
Geschenke und jedes Mal sage ich mir aufs Neue: Das ist unglaublich nett, ich
muss dem Fan unbedingt eine Antwort schicken, da sein Brief mir unter die Haut
geht und eine Antwort verdient. Und wieder vergeht die Zeit und andere Briefe
kommen mit der Post. Zwei Wochen später stelle ich fest, dass ich immer
noch nicht auf den ersten geantwortet habe und es aus Zeitmangel nie machen
werde. Ich müsste jemanden einstellen, der mir hilft meine Zeit besser
einzuteilen. Ich werde wirklich darüber nachdenken müssen.
Wie schaffst Du es denn, diesen Arbeitsrhythmus und deine Beziehung
zu Kate Bosworth unter einen Hut zu bekommen?
Selbst wenn es nicht immer einfach ist, so schaffe ich es doch, mir Zeit für
sie zu nehmen. Aber stellen sie mir bitte keine weiteren Fragen zu diesem Thema,
denn mehr verrate ich nicht über unsere Beziehung. Ich lasse mich normalerweise
in der Öffentlichkeit nicht über mein Privatleben aus, mein Liebesleben
gehört nicht in die Medien. Ich will gerne bereitwillig auf alle Fragen,
die mir über meinen Beruf oder meinen neuen Status als Star gestellt werden,
antworten, aber es gibt Dinge, die nur mich etwas angehen und über die
ich nicht sprechen möchte.
Wie schaffst du es, mit beiden Füssen Bodenkontakt zu halten und
nicht völlig abzuheben, mit dem enormen Druck, der seit dem Erscheinen
von HdR auf dir liegt?
Ach, wissen sie, das ist eigentlich gar nicht so schwer. Wenn ich nicht im Rampenlicht
stehe, dann führe ich ein ziemlich normales Leben und die meisten Leute,
denen ich auf der Strasse begegne, lassen mich in Ruhe. Dass ich sehr populär
bin, merke ich vor allem dann, wenn ich zu einer Vorpremiere eingeladen werde
und viel Hundert Menschen von weit her kommen allein um mich zu sehen. Bei diesen
Anlässen, bei denen die Fans häufig mehrere Stunden hinter Absperrungen
stehen, bis ihr Lieblingsstar dann endlich auf dem roten Teppich erscheint,
kommt es häufig zur Massenhysterie. Diese Momente sind ziemlich überwältigend
und können ein Auslöser dafür sein, dass man sich plötzlich
ziemlich wichtig findet. Einige Sekunden lang ist man der Mittelpunkt der Welt,
jeder will dich anfassen, umarmen, fotografieren. Das geht ganz schön unter
die Haut.
Wie hast Du die Vorpremiere von HdR in Neuseeland in Erinnerung?
Das war ganz einfach wunderbar. Es waren unglaublich viele Menschen da und wir
waren buchstäblich wie Helden in Empfang genommen. Einige erwarteten uns
bereits seit Stunden hinter den Absperrungen und man hat mir erzählt, dass
ein Lehrer und seine Schüler eine ganze Nacht auf dem Bürgersteig
verbracht hatten, um sich einen guten Platz zu sichern. Als wir im Wagen an
ihnen vorüber zogen, hatte ich fast den Eindruck, ein Präsident auf
offiziellem Staatsbesuch zu sein.....In diesem Augenblick hat mal wirklich allen
Grund dazu, sich ein bisschen wichtig zu nehmen. Aber glücklicherweise
weiß ich genau, woher ich komme und wer ich bin. Zurzeit stehe ich mit
beiden Beinen fest im Leben und bin mir darüber im Klaren, welches Glück
ich habe. Ich möchte nicht, dass man mich für eingebildet hält.
Hast Du manchmal den Eindruck, dass der Erfolg ein bisschen zu schnell
gekommen ist?
Ja und nein. Wissen sie, ich bin bereits 27 Jahre alt und kein Kind mehr. Ich
habe viel gearbeitet um dorthin zu gelangen und selbst wenn der Erfolg ziemlich
schnell gekommen ist, werde ich sicherlich nicht traurig darüber sein.
Was den Druck und einige kleiner Unannehmlichkeiten angeht, so kann ich gut
damit leben.
Seit dem Erscheinen von HdR drehst du pausenlos neue Filme. Hast du
nie Lust, eine Pause zu machen und dir ein bisschen Zeit für dich zu nehmen?
Es ist richtig, dass ich seit längerem viel Zeit vor der Kamera verbringe.
Manchmal ist das ziemlich anstrengend, aber ich sage mir, dass es schlimmer
wäre, wenn ich nicht arbeiten würde und von einem Casting zum anderen
rennen müsste, um eine kleine Rolle zu ergattern. Viele Schauspieler, die
sich eben so über Wasser halten, würden gerne mit mir tauschen, deshalb
bin ich nicht schwierig und ruhe mich nicht auf meinen Lorbeeren aus. Auch wenn
ich seit dem Erscheinen von HdR sehr populär bin, weiß ich auch,
dass sich diese Euphorie schnell wieder legen kann. Zwei oder drei schlechte
Filme reichen und alles löst sich in Wohlgefallen auf. Deshalb greife ich
zu, solange man mir interessante Rollen anbietet.
Wenn Du irgendwo hingehen könntest, um ein ruhiges Leben zu führen,
wohin würde dich dein Weg führen? Anders gesagt, wie würde dein
„Auenland“ aussehen?
Ich ziehe mich gerne mit meiner Familie und meinen Freunden zurück. Meine
Großmutter besitz ein schönes Haus in Nordengland, in einem kleine
Dorf, das ein bisschen dem Auenland ähnelt. Ein sehr friedlicher Ort, an
dem ich gerne eine Verschnaufpause einlege. Eine meiner Tanten besitzt ein Haus
in Frankreich und dort fahre ich auch gerne hin. Im Allgemeinen bin ich gerne
auf dem Land oder am Meer, aber nicht unbedingt am Standstrand mit Palmen, wie
man es auf Postkarten sieht. Ich brauche keine Touristen-Strände und stehe
mehr auf wilde Landschaften. Ich glaube, dass Neuseeland ein Land ist, das fast
alle diese Kriterien erfüllt. Wenn ich irgendwo hinziehen müsste,
dann wohl nach Wellington. Ich habe mich buchstäblich in diese Stadt verliebt,
wenn es dort auch nicht ganz so friedlich zugeht, wie im Auenland..........