Gestern, am 28.04.05, war es soweit. Ich habe mir mit vielen wichtigen
Persönlichkeiten aus Presse und Medien die Originalversion von „Kingdom
of
Heaven“ angesehen. Ein Film, der weit mehr ist und viel weiter geht, als
man
es sich vorstellt.
Ridley Scott hat es geschafft, seinen Zuschauer zu verzaubern und an Orte zu
führen, die weit hinter der eigenen Vorstellungskraft liegen!
Es ist 10.15 Uhr. Nachdem die Gästeliste geprüft ist, die Pressehefte
verteilt
und sich jeder mit Getränken versorgt hat, geht es an die
Sicherheitskontrolle. Zwei große, starke Securities überwachen den
Metalldetektor und durchsuchen die Taschen. Handy und Kameras müssen
natürlich draußen bleiben, schließlich soll gegen Piraterie
vorgebeugt
werden.
Der Kinosaal ist riesig, knallrot und wir suchen uns die besten Plätze
in
der Mitte des Saals. Vor und vor allem hinter uns, Pressemänner und –frauen,
die schon jetzt Witze über den Film und Scott reißen. Ob sie wohl
während
des Films ihren Mund halten werden? Ich hoffe es sehr.
Ohne große Einleitung geht es los, der schwere Vorhang öffnet sich
und die
Filmmusik beginnt. Musik, die einem gleich mit den ersten Takten aus dieser
Welt holt. Doch die Leinwand bleibt schwarz. Ich höre Sprüche wie:
„Hey die
Klappe von der Linse!“ oder „Man, da hat Scott aber viel geschnitten“,
„Das
muss der Directors Cut sein“ oder auch „Was zeigt uns Fox da für
einen Film?“ Was für einen Film Fox uns zeigen will, werden wir gleich
sehen.
Weiße Schrift zieht sich über schwarzen Hintergrund und kündigt
hohen Besuch An, in Frankreich um 1100. Die Landschaft ist wunderschön,
inspirierend und
doch kalt. Dann hat Orlando Bloom seine erste Szene. Er spricht wenig in diesen
ersten Momenten, doch das braucht er auch nicht. Seine Augen, seine Mimik sprechen
viel mehr, als alle Worte es ausdrücken könnten. Man wird sofort in
Balians Leben gezogen, sieht was er fühlt und findet sich in seiner Situation
wieder.
Blut und Feuer reißt uns Zuschauer wieder aus dieser Spiritualität
und sogar
die Presseleute hinter mir verstummen und gehen ganz in den Film ein. Balian
folgt seinem Vater nach Jerusalem. Wir sind an den Häfen von Messina,
Südfrankreich, den Hafen der Pilger. Immer noch spricht Balian wenig, doch
seine Augen verraten uns alles. Wir hören ergreifende Worte, als Balians
Vater stirbt und seinen Sohn die wichtigsten Worte mitgibt. „Sei ohne
Furcht
im Angesicht deiner Feinde. Sei Tapfer und aufrecht.....“ Gänsehaut
zieht
sich über uns und wir sind mit auf dem Schiff, das Balian nach Jerusalem
bringen soll. Wir sind mitten in dem Sturm, der über das Meer fegt und
ich
gehe mit Balian unter....
Orlando beweist das erste Mal in dieser Szene, wie gut Balian mit Pferden
umgehen kann, denn er und der schwarze Hengst haben als einziger das
Schiffsunglück überlebt. Nach kurzen Geschehnissen lädt Ridley
Scott uns nach
Jerusalem ein. Im ersten Augenblick wirken die Tore der Stadt wie die von
Minas Tirith, wurde „Kingdom of Heaven“ doch ebenfalls von Weta
gemacht.
Doch dann sieht man sich in einer völlig anderen Welt. Ein Treffpunkt der
Religionen, Kulturen und Menschen.
Wir erleben einen seltenen Moment der Kinogeschichte. Wir sehen nur Balians
Gesicht vor der dunklen Landschaft, still in sein Gebet gefangen. Kein Ton,
keine Musik, die die Bilder untermalt. Noch nie habe ich Stille so sehr wahrgenommen
und Angst davor gehabt, sie mit meinen Atmen zu durchbrechen, wie in
diesem Moment.
Balian lernt schnell den Platz seines Vaters einzunehmen und überrascht
uns mit einer Festigkeit seiner Rolle, die einen erzittern lässt. Noch
mehr
erzittern wir Frauen, als Orlando Bloom völlig oberkörperfrei vor
der Kamera
zu sehen ist. Für einen Moment lässt Orlando die Landschaft verblassen.
Süße Verbindungen lassen sich erkennen. Einer der Jungen im Film
nennt
Orlando „Siddi“ was arabisch „Lord“ heißt. Genauso
hat Orlando seinen Hund
genannt, denn er bei den Dreharbeiten zu „Kingdom of Heaven“ gefunden
hat.
Nach ca. 1 Stunde kommt die Szene, auf die wir Frauen so sehr gewartet
haben. Die Liebesszene zwischen Balian und Sibylla. Pure
Leidenschaft, die sich durch den Zuschauer bohrt – doch nur für 2
Sekunden, dann ist alles wieder vorbei und durch den Saal geht ein
erleichtertes und zugleich enttäuschtes Aufatmen der Frauen. Hier hätte
Ridley Scott nicht an Länge sparen müssen.
Auf Liebe folgt Hass. Konnte der Zuschauer bis jetzt noch atmen, und die
Landschaft und Orlandos Gedanken erkennen, so folgt jetzt ein Adrenalinstoß
nach dem anderen. Orlando kämpft, wie wir ihn noch nie haben kämpfen
sehen.
Kein Wunder, dass er in einer Frage gesagt hat, dass eine seiner tollsten
Erfahrungen war, „Königreich der Himmel“ überlebt zu haben.
Martin Hume und sein Team der Kameramänner zeigen Einstellungen, die bis
jetzt wohl noch keiner gewagt hat. Selbst die großen Schlachten im „Herrn
der Ringe“ wirken dagegen nicht mehr so groß. (Und ich bin ein großer
HdR-Fan und würde nie etwas über Peter Jacksons Werk kommen lassen.)
Die
berittenen Armeen prallen aufeinander und man ist mittendrin, sieht Dinge,
die noch nie zuvor so klar und deutlich in einer Schlacht zu sehen waren. Orlando
kämpft, als hätte er nie etwas anderes getan. Doch er ist nicht nur
Held,
muss selbst auch einstecken.
Und schließlich die finale Schlacht um Jerusalem. 200 000 Krieger Saladins
drängen auf die Stadt ein und wir sehen Bilder die uns zittern lassen,
hören
eine Rede von Balian, die uns das Blut in den Adern gefrieren lässt und
erleben eine große Schlacht, die größer nicht sein könnte.
Glaube gegen Glaube
Der Film ist zuende und man soll es nicht glauben, die Presseleute hinter
und vor uns haben keinen einzigen Witz mehr gerissen, sie verlassen ruhig
den Kinosaal. Ihre Gesichter zeigen deutlich, was sie von diesem Film
halten – draußen im Foyer sind nur durchweg positive Stimmen zu
hören. Dieser
Film hat begeistert, dieser Film hat uns alle mitgerissen und noch immer
sind die Knie weich.
Das Fazit?
Ich habe mir diesen Film ganz anders vorgestellt. Doch wurde ich nicht
enttäuscht, keineswegs. Ich wollte sofort zurück und ihn noch einmal
sehen, noch einmal in Scotts Welt eintauchen, eine Welt voller Glauben und
Bewusstsein, in die man ohne zu fragen gehen würde.
Ich kann nur von der Originalversion sprechen, (FSK 16) wie sich die
deutsche Version (FSK 12) davon abheben wird, kann ich nicht sagen. Ich
habe mir mehr von der Liebesbeziehung erhofft, denn ein Großteil des Films
ist Kampf und Schlacht. Hintergrundwissen ist sehr sinnvoll bei diesem Film.
Denn letztendlich ist es ein historischer Film.
Genial gemacht, einmalig umgesetzt.
Für alle Orlando Bloom Fans, wie auch für mich, ist natürlich
eine Sache
wichtig. Cast: Orlando Bloom – er steht an erster Stelle und viele haben
sich gefragt, ob er dieser Rolle tragen kann.
Er trägt sie. Orlando hat einmal mehr gezeigt, was in ihm steckt. Vom
Strichjungen in „Wilde“, vom Elben in „Herr der Ringe“
zum König der Leinwand.
Orlando spielt mit einer Selbstverständlichkeit seine große Rolle,
dass es
fast schon erschreckend ist. Die Kameras scheinen ihn zu lieben und es ist
unvorstellbar, sich Orlando in einem anderen Beruf vorzustellen. Sein Herz ist
auf der Leinwand, seine Fans werden stets davor sein.
Und ist das nun DIE Rolle? Die eine Rolle die Orlando alles bringen wird?
Nein, das ist sie nicht. „Königreich der Himmel“ wird Orlando
endlich das
Ansehen als Schauspieler bringen, die er verdient hat. Er ist erwachsen geworden!
Doch es ist erst der Anfang. Der Anfang einer einmaligen Karriere!
„Königreich der Himmel“ ist ein Film, der bestehen bleiben
wird und uns
Zuschauer im Herzen und in Gedanken fesseln wird.
Ansbach den 29.04.05 Melanie Schabesberger