Viggo Mortensen
Viggo in Wald und Wüste


(tsch) Er ist der Herrscher von Mittelerde, Befreier einer ganzen Welt: Viggo Mortensen (45) avancierte als Aragorn in der 'Herr der Ringe Trilogie' zum Star. Der stählerne Charme seiner graublauen Augen unter dem strähnigen Haupthaar wirkte auf Elbinnen ebenso wie Menschenweibchen. Auch in seinem neuen Film 'Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm' (Kinostart: 8. April) besticht Mortensen durch ungewaschenen Cowboycharme. In der Rolle des US-Cowboys Frank Hopkins tritt er auf einem Mustang zum ultimativen Wüstenrennen des arabischen Scheichs Riyadh (Omar Sharif) an und verguckt sich unterwegs in dessen Tochter Jazira (Zuleikha Robinson). Zum Interview erscheint der, auch privat passionierte, Reiter nicht in Stiefeln, sondern auf Socken. Solchermaßen befreit plaudert er über seine eigene Mitte, die Besetzung von Omar Sharif und Kleinkinder auf Waldspaziergang.

teleschau: Wie arbeitet es sich denn mit einem Pferd als zweitem Hauptdarsteller?

Viggo Mortensen: Hervorragend. Man muss sich auf das Tier einlassen, sich ganz dem Rhythmus dieses so viel größeren Körpers anpassen. Wenn man es schafft, eine innere Verbindung zum Tier herzustellen – und das ist dem 'Hidalgo'-Darsteller T.J. und mir gelungen – dann findet man auch als Mensch ein Stück mehr zu seiner eigenen Mitte. T.J. und ich haben sehr eng miteinander gearbeitet. Dabei überträgt sich etwas zwischen Ross und Reiter. Diesen Effekt gibt es natürlich auch bei Katzen und Hunden, mit denen man intensiv Zeit verbringt.

teleschau: Sie sind seit fast einem Jahr auf Promotiontour ...

Mortensen: ... zuerst für 'Herr der Ringe – die Rückkehr des Königs', jetzt für 'Hidalgo'. Ich hatte nur Weihnachten eine einzige Woche Urlaub. Und so langsam habe ich genug. Mir fehlt mein Privatleben. Ich sehne Ende April herbei, wenn ich endlich nach Hause darf.

teleschau: Und was tun Sie zu Hause, wenn Sie sich nicht auf die nächsten Dreharbeiten vorbereiten?

Mortensen: Briefumschläge öffnen und meine Post bearbeiten. Ich muss ja mein Haus in Los Angeles erst einmal wieder auf Vordermann bringen.

teleschau: Klingt nach langweiliger Freizeitgestaltung, oder nicht?

Mortensen: Na ja, was heißt schon Freizeit? Ich spreche dann mit Produzenten auch über neue Filmangebote. Ich will ja wieder drehen, schließlich muss ich von irgendetwas leben. Und für das Reden über Filme bekomme ich kein Geld.

teleschau: Das hört sich eher desillusioniert als ehrgeizig an ...

Mortensen: Wenn ich ehrgeizig wäre und meine ultimative Motivation darin läge, möglichst Millionengagen zu scheffeln, dann hätte ich schon vor zehn Jahren viel mehr Filme drehen sollen. Mein großes Ziel ist es, das Leben nicht zu verschwenden. Ich möchte Erfahrungen mit Menschen sammeln. Und mir sind die Erinnerungen wichtig - an jene Menschen, mit denen ich vor und hinter der Kamera zusammengearbeitet habe.

teleschau: Nur an die Menschen?

Mortensen: Auch an T.J. natürlich. Uns beide hat dieser Dreh wahrhaft zusammengeschweißt. Pferde sind unglaublich zäh. T.J. musste von Los Angeles nach South Dakota fliegen, monatelang trainieren und fit bleiben. Ein Pferd kann geradezu heroische Leistungen vollbringen. Denn es weiß nichts über den Tod. Es wird mit einer unglaublichen Ausdauer seinen Reiter tragen, bis hin zur völligen Erschöpfung.

teleschau: Ziemlich dämliches Verhalten ...

Mortensen: Ich kenne etliche Pferde, die intelligenter sind als Hunde. Und eines kann ich mit Sicherheit sagen: Die Besetzung von T.J. als 'Hidalgo' war mindestens ebenso wichtig wie die von Omar Sharif als Scheich Ryadh. T.J. hat einfach jene besondere Ausstrahlung, die andere getestete Pferde nicht hatten. Da hätten auch keine Special Effects geholfen.

teleschau: Sind Tiere die besseren Menschen?

Mortensen: Als ich klein war, besaßen meine Eltern eine schwarze Labradorhündin namens 'Tessa'. Ich bin als Kleinkind immer aus dem Bettchen gekrabbelt und habe mich eines Nachts auf den Weg in den Wald gemacht. Der Hund ist wie 'Lassie' hinter mir her und hat neben mir gesessen und gebellt, bis mich meine Mutter gefunden hat. So viel dazu.

Quelle: Promi Abacho 2004

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