Sean Astin als Sam
Auch wenn ihm seine schauspielerische Leistung in "Die Rückkehr des Königs" keine Nominierung für einen Oskar eingebracht hat, so hat sie wohl Millionen von Zuschauern auf der ganzen Welt zu Tränen gerührt. Ohne Sean Astin hätte die Trilogie "Der Herr der Ringe" wohl kaum ein derartiges Gefühlsniveau erreicht. Begegnung mit einem großartigen Schauspieler.....
Welche Szene war für dich am schwierigsten zu drehen?
Auch wenn man leicht auf die Idee kommen könnte, so waren die schwierigsten Szenen nicht die, die den größten körperlichen Einsatz forderten. Die Aufnahme zum Beispiel, in der Sam mit Kankra kämpft, war relativ einfach zu drehen. Ich fand es sogar ganz amüsant, mir diese gigantische Kreatur vorzustellen und ein paar Schwerthiebe ins Leere zu schlagen. Wenn ich eine Szene nennen soll, die mir wirklich schwer fiel, ist es wohl die, in der Sam Frodo auf den Schicksalsberg herauftragen muss. Für mich ist dies eine der dramatischsten Situationen der Trilogie. Elijah und ich waren sehr ungeduldig und beunruhigt, bevor wir uns ans Drehen machten und wir mussten wirklich sehr viel von uns persönlich hinein stecken, um die Szene überzeugend zu interpretieren.
Das Ende von "Die Rückkehr des Königs" wird von manchen Journalisten kritisiert, es soll zu langatmig sein. Was denkst du darüber?
Damit bin ich überhaupt nicht einverstanden. Diese zahlreichen "Trügerischen Schlussszenen" erlauben es dem Zuschauer, die Spannungen, die sich während des ganzen Films aufgebaut haben, langsam abfließen zu lassen. Peter Jackson konnte ja schließlich nicht einfach, kurz nachdem der Ring zerstört wurde, das Wort "Ende" erscheinen lassen. Die verschiedenen Aspekte der Geschichte mussten alle ihren eigenen Abschluss finden. Als ich das Ende von "Die Rückkehr des Königs" zum ersten Mal sah, weinte ich zum Steinerweichen. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so geweint.
Wie erklärt es sich, dass Sam Frodo alle drei Filme hindurch mit "Herr" anredet? Sie sollen doc dicke Freunde sein.....
Die Erklärung liegt vielleicht in der Tatsache, dass Sams Vater als Gärtner für Frodos Onkel gearbeitet hat. So hat sich ein Diener-Herr-Verhältnis zwischen den beiden entwickelt, das die Generationen überdauert hat. Sam nennt Frodo auch deshalb "Herr", weil er einen großen Respekt vor ihm hat - er ist darum aber nicht unterwürfig, denn ihr Respekt ist gegenseitig und ihre Bewunderung füreinander dadurch nicht weniger groß.
Woran liegt deiner Meinung nach der enorme Erfolg der Trilogie?
Auch wenn "Der Herr der Ringe" zu den Fantsy-Filmen gezählt wird, ist das Universum der Trilogie extrem realistisch. Peter Jackson wollte die Filme so glaubwürdig wie möglich gestalten, der Zuschauer sollte sich die Ereignisse wirklich vorstellen können. Bevor wir mit den Dreharbeiten begannen, rief Peter uns zusammen und zeigte uns "Braveheart" und andere Filme. Dann sagte er: "So soll 'Der Herr der Ringe' auch werden: ich will, dass man den Schweiß sieht, die Erde auf den Gesichtern der Kämpfer, ich will diese emotionelle Intensität." Ich glaube, dass es unter anderem dieser Realismus ist, der dem Publikum so gefiel.
Hast du auch nur einen Moment gezweifelt, bevor du dich in dieses Abenteuer gestürzt hast?
Ich habe die Vor- und Nachteile lange gegeneinander abgewägt, doch schon recht schnell entdeckt, dass die Vorteile überwogen. Wenn meine Frau nicht damit einverstanden gewesen wäre, mich bei diesem Abenteuer zu begleiten und mit mir nach Neuseeland zu ziehen, hätte ich wahrscheinlich nicht akzeptiert. Aber das war nicht der Fall. Das Einzige, das mir Sorgen machte, war die Tatsache, dass ich einige Kilos zulegen musste. Ich war mir nicht sicher, ob ich den Anblick eines dicken, pausbäckigen Typen im Spiegel zwei Jahre lang ertragen könnte. Ich wusste wohl, es würde deprimierend und schwierig werden. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich trotz allem dazu entschlossen, es zu wagen. Und ich habe die richtige Wahl getroffen, finden sie nicht? Es hat etwas gedauert, bis ich die zwanzig Kilos, die ich für die Rolle zugenommen hatte, wieder los war, aber ich habe es geschafft! (Lachen)
Inwieweit hat dich dieser Film verändert?
Seit ich in der Trilogie mitgespielt habe, glaube ich mehr denn je an die grundsätzlichen Werte im Leben, Werte wie Mut, Ehrlichkeit, Loyalität, Gut-sein. Ich achte mehr auf die Menschen in meiner Umgebung. Ich interessiere mich mehr für die Probleme in der Welt.....
Denkst du, dass du mit allen Partnern der Filme befreundet bleiben wirst?
Das hoffe ich von ganzem Herzen. Ich weiß natürlich, dass es unvermeidbar sein wird, dass man sich mit den Jahren immer weniger sieht als vorher. Vielleicht wird das Gefühl der Freundschaft auch mit der Zeit abnehmen. Schließlich wollen wir alle vorankommen und unser eigenes Leben weiterführen. Wir werden sicherlich nicht die alten Erinnerungen bis an unser Lebensende aufwärmen. (Lachen) Ich weiß jedoch, dass diese Erfahrung sich für immer in mein Gedächtnis gegraben hat und auch, dass ein Teil von Sam für immer in meinem Herzen leben wird.....
Quelle: One November/Dezember 2004