Star ohne Allüren: Viggo Mortensen
Altmodisch subversiver Hollywoodfilm


Der Star ohne Starallüren: Viggo Mortensen ist ein gefragter Mann, seit er in "Der Herr der Ringe" die Rolle des Aragorn übernahm. Dass ihm sein Ruhm nicht zu Kopf gestiegen ist, beweist er in München beim Interview zu "Hidalgo - 3.000 Meilen zum Ruhm", seinem neuen Abenteuer- und Reiterfilm. Mortensen, der nebenbei auch als Maler, Dichter, Musiker und Fotograf arbeitet, verteilt Exemplare seiner Bildbände an die Journalisten und bedankt sich artig, dass sie teilweise aus fernen Orten wie Österreich gekommen sind, um mit ihm zu sprechen. Charmant wie er ist, gibt er sich auch nicht mit schalem Smalltalk zufrieden, sondern antwortet lang, ausführlich und überlegt auf die Fragen – und bringt dabei auch mal den Terminplan durcheinander und die PR-Agentin zur Verzweiflung. Ganz klar: Mortensen ist ein netter Kerl.

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Ricore: Wie sind Sie auf "Hidalgo" gekommen?

Viggo Mortensen: Die Geschichte zu "Hidalgo" hatte ich mal gelesen und mochte sie sehr. Einerseits könnte man sagen, es ist einfach nur ein guter, altmodischer Hollywood-Abenteuerfilm, der auf eine etwas subversive Weise auch Dinge tut, die Hollywood sonst nicht macht. Die Araber sprechen Arabisch, die Lakota-Indianer sprechen Lakota. Es geht um östliche und westliche Standpunkte und Ansichten, ihr Aufeinanderprallen und um einen Ausweg, wie sie miteinander koexistieren können. Es war zwar Zufall, denn das Drehbuch wurde vor dem 11. September geschrieben und wir waren vor der neuerlichen Irak-Invasion mit dem Dreh fertig. Aber es geht um die gleiche Region, in die wir Amerikaner jetzt wieder involviert sind. Und es geht um einen amerikanischen Protagonisten, der in ein arabisches Land kommt, von dem er nur wenig weiß - und obwohl er nicht viel darüber weiß und manchmal nicht mit den Ansichten der Einheimischen übereinstimmt, ist er offen und neugierig den Ansichten gegenüber, und lernt deshalb etwas dabei und nimmt gewisse Einsichten mit zurück nach Hause. All das ist eher ungewöhnlich für einen Hollywood-Film. Deshalb gefällt er mir so sehr.

Ricore: Wie war es für Sie, mit Omar Sharif zu drehen, und was waren Ihre Erfahrungen in der Wüste?

Mortensen: Beides war großartig. Wir hätten diesen Film wahrscheinlich auch in Kalifornien oder Arizona drehen können - aber es wäre natürlich etwas völlig anderes gewesen. Die Tatsache, dass so viele ausländische Reiter mitgearbeitet haben und dass die Crew zu großen Teilen aus Nordafrikanern und Muslimen bestand, hat viel zur Geschichte von "Hidalgo" beigetragen. Das gilt auch für die Mitwirkung von Omar Sharif. Zunächst einmal, weil er ein großartiger Schauspieler ist, der sehr unterschätzt wird. Ich denke, er ist einer besten Schauspieler, die ich kenne. Ich war immer der Meinung, dass die Basis für gutes Schauspiel in guten Reaktionen besteht - und Omar ist im Reagieren einer der Besten. Er hat die Gabe, sich irgendwie immer wohl zu fühlen und zu relaxen, eins mit seiner Umgebung zu werden und sehr subtil zu agieren. Die detailreichen, kleinen, unscheinbaren Leistungen, die Omar in "Hidalgo" und in "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" abliefert, sind viel schwieriger zu erreichen. Weil sie so leicht und natürlich aussehen, glauben viele Menschen, dass es einfach sei, so zu spielen. Ist es aber nicht. Dass er ein Ägypter ist, ein Muslim, der dem Westen verbunden ist, in Paris lebt, zahlreiche Sprachen spricht und Pferde mag: es gab zahlreiche Parallelen zwischen ihm und seiner Figur. Seine Verbindung zu "Lawrence von Arabien" hat auch dem Film eine besondere Note gegeben.

Ricore: Es gibt viele Missverständnisse zwischen der arabischen und amerikanischen Welt. Was können wir von der arabischen Welt lernen?

Mortensen: Eine Menge. Sie können sicher auch von uns lernen. Aber viele westliche Länder, die Amerikaner, die Engländer, die Franzosen und auch die Deutschen - der Westen hat immer angenommen, dass er den Arabern viel beibringen kann. Es ist gut, ab und an auch zuzuhören. Ich glaube, Geschichten wie "Hidalgo" sind positiv, weil sie zwar nicht unbedingt ganz offensichtlich eine Botschaft beinhalten, aber einem sagen, dass Menschen nun mal Menschen sind. Wenn man Zeit mit ihnen verbringt, kann man schließlich doch eine gemeinsame Basis finden, selbst wenn man zuerst völlig entgegengesetzte Ansichten hatte. Es ist gut zu zeigen, dass es sich lohnt, sich anzustrengen und offen für andere Kulturen zu sein.

Ricore: Es ist mittlerweile eine ziemliche Diskussion darüber entstanden, inwiefern der Film tatsächlich auf wahren Gegebenheiten beruht und inwiefern er ein Märchen ist. Kümmert Sie diese Diskussion?

Mortensen: Ja. Es stört mich sehr, dass die Leute, die diese Diskussion aufgeworfen haben, ihre wahren Motive verheimlichen. Ich habe viel über Hopkins gelesen. Ich war insbesondere von seinen Aufzeichnungen über Reit- und Trainings-Techniken beeindruckt. So eine Art Pferdetraining, wie es auch Monty Roberts, Der Pferdeflüsterer, machte. Hopkins hat schon 50 Jahre vorher darüber geschrieben. Er war ebenso respektiert und berühmt für den guten physischen Zustand, in welchem seine Pferde die Rennen beendeten, wie für seine zahlreichen Siege bei diesen Rennen. Aber am meisten über ihn weiß ich nicht aus diesen Aufzeichnungen, sondern von Indianern, die nicht miteinander verwandt waren und verschiedene Sprachen sprechen: Die Blackfeet in Montana, die Lakota in South Dakota, die über Hopkins erzählen - zwar in Variationen, aber immer über Frank T. Hopkins und sein Pferd Hidalgo, und manchmal auch über dieses Rennen in Übersee. Selbst derjenige, der mir die Sprache beibrachte, hat mir erzählt, dass diese Geschichte in seiner Familie über Generationen weitergegeben wurde. Man hört also in Variationen, aber in der gleichen Essenz immer wieder die Geschichte von einem Typen, der wie ein Angelsachse aussieht - und von denen sind die Indianer sicherlich nicht unbedingt gut behandelt worden. Warum sollten sie über Generationen hinweg von Verbindungen zwischen ihren Pferden und diesem Menschen erzähle, wenn es nicht stimmte? Die Tatsache, dass sie auf wahren Ereignissen, wahren Menschen und wahren Pferden beruht, und dass dennoch einige Leute sich anstrengen, diese Geschichte zu diskreditieren - und anscheinend mit einigem Erfolg, denn ich sitze hier in Deutschland und Sie erwähnen das - all das stört mich sehr.

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