Reiselied von Bilbo Beutlin - Wanderlied der Hobbits - Tom Bombadils Ruf - Gegenzauber von Tom Bombadil - Sams Lied über Gil-galad - Luthien & Beren - Luthiens Lied - Gollums Spruch
Reiselied von Bilbo Beutlin
Die Straße gleitet fort und fort,
Weg von der Tür, wo sie begann,
Weit überland, von Ort zu Ort,
Ich folge ihr, so gut ich kann.
Ihr lauf ich raschen Fußes nach
Bis sie sich groß und breit verflicht
Mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht
Im Herd das Feuer leuchtet rot,
Im Hause warten Bett und Brot;
Die Füße sind noch nicht so wund,
Dass nicht ums Eck ein seltner Fund
Noch lockt, ein Baum, ein schroffer Stein,
Den niemand sah als wir allein.
Baum und Blüte, Laub und Gras,
War es das? War es das?
Unterm Himmel Berg und See,
Geh nur, geh! Geh nur, geh!
Hinter der nächsten Biegung gleich
Ein Tor führt ins geheime Reich,
Und gehn wir heute dran vorbei,
Steht morgen dieser Weg uns frei:
Der fremde, der verborgne Pfad,
Der bald der Sonn', dem Mond bald naht.
Apfel, Dorn und Nuss und Schlehn,
Wiedersehn! Wiedersehn!
Tal und Teich und Sumpf und Wüst',
Seid gegrüßt! Seid gegrüßt!
Die Heimat schrumpft, die Welt wird groß,
Mit tausend Pfaden schrankenlos,
Durch Dämmerung zum Rand der Nacht,
Bis alle Sterne sind entfacht.
Dann umgekehrt, und geradeaus
Geht's heim ins warme Bett und Haus.
Nebel, Schatten, Wolkenwand,
Sei verbannt! Sei verbannt!
Herd und Lampe, Brot und Fett,
Und dann zu Bett! Und dann zu Bett!
He, Tom Bombadil, komm zu unsrer Freude,
Komm bei Wasser, Wald und Berg, komm bei Schilf und Weide,
Komm, bei Feuer, Sonn' und Mond, eilends angetreten,
Komm, Tom Bombadil, denn wir sind in Nöten!
Auf nun, ihr lieben Leut! Auf und hört mich rufen!
Herz und Glieder Wieder warm, kalter Stein geborsten;
Dunkle Tür ist aufgetan, Totenhand gebrochen.
Nacht floh zu Nacht hinab, Tor steht weit und offen.
Gil-galad hieß er, der die Kron
Der Elben trug, vor Zeiten schon
Als letzter Herr auf freiem Land
Zwischen Gebirg und Meeresstrand.
Sein Schwert war scharf und spitz sein Speer,
Sein Helm erglänzte von weither;
Des Himmels Sterne, Bild an Bild,
erstrahlten von seinem Silberschild.
Seit langem klagt um ihn das Lied.
Doch niemand weiß, wohin er schied.
Sein Glanz erlosch. sein Stern ward blind
In Mordor, wo die Schatten sind.
Das Gras war grün, das Laub hing dicht,
Die Schierlingsdolden blühten breit,
Da huschte durch den Wald ein Licht,
Wie Sternenglanz zur Erde fällt.
Tinúviel tanzte, Elbenmaid,
Zur Flöte, hold von Angesicht,
Von Sternen funkelte ihr Kleid
Und war ihr dunkles Haar erhellt.
Da irrte Beren durch den Wald,
Vom Berge kam er her allein,
Den Strom der Elben fand er bald
Und ging ihm voller Trauer nach.
doch plötzlich sah er einen Schein
Vom Licht im dunklen Waldgemach,
Von wehenden Schleiern einen Schein
Und goldene Funken tausendfach.
Da stürzte, beseelt von neuer Kraft,
der Wander aus fernem Land
Tinúviel nach in Leidenschaft,
Er greift nach ihr mit Ungestüm.
Ein Mondstrahl blieb ihm in der Hand,
Durchs Dickicht tanzt sie leicht dahin,
Lässt ungestillt die Leidenschaft,
Und er muss einsam weiterziehn.
Wie oft vernimmt er flüchtigen Schritt
Von Füßen, leicht wie Lindenlaub,
Und unterirdische Musik,
Verwehend wie ein sterbender Ton.
Mit Nebenrauch und Silberstaub
Des Rauhreifes naht des Winters Tritt,
Mit leisem Wispern Blatt um Blatt
Fällt's aus der Buchen welker Kron.
Er sucht sie ewig, unverzagt,
Wo dicht der Blätterteppich liegt,
Bei Mond und Stern und wenn es tagt.
Ihr Schleier weht im Silberglanz,
So dreht sich schwerelos und fliegt
Tinúviel, die Elbenmagd,
Wie sich die Flocke wirbelnd wiegt
Dahin im Tanz, dahin im Tanz.
Als um der Winter, kehrte sie
Zurück und sang den Frühling wach
Mit Vogellied und Melodie
Des Regens auf vereistem Bach.
Die Sehnsucht trieb ihn wie noch nie
Zum Tanz, zu ihr, es lockte ihn,
Mit ihr so leicht dahinzuziehn,
So leicht im Tanz dahinzuziehn.
Sie floh-er rief den Namen schnell,
Mit Elbenlaut rief er sie an:
Tinúviel, Tinúviel!
Da hielt sie ein im raschen Lauf,
Die Stimme schlug sie in den Bann.
Schon eilte er zu Tinúviel,
Da sah sie ihn verzaubert an:
Er fing sie in den Armen auf.
Und unter ihrem Schattenhaar
Sah Beren hell der Sterne Licht
Gespiegelt in dem Augenpaar
Der Elbin, der unsterblichen.
Verfallen war sie dem Gericht.
Sie schlang die Arme wunderbar
Um ihn: Er sah ins Angesicht
Der elbischen unverderblichen.
Lang trieb sie dann das Schicksal um
Durch Felsgeklüft und kalte Nacht,
Durch finstre Wälder, fremd und stumm,
Dann trennte sie das weite Meer.
Und dennoch war zuletzt die Nacht,
Gericht und Zeit der Prüfung um,
Vereinte sie das Schicksals Macht-
Und lang, lang ist es her.
Wenn der Mond auf uns, die Kinder Erús, scheint
ein himmlisches Juwel aus Silber, das über uns wacht
dann lauschen Blume und Baum in Schweigen
Oh Herrin des Westens, Sterne entzündend,
zu Dir singe ich, die Nachtigall!
Dieses Gedicht singt Lúthien Tinúviel in der "späteren"
Version des Leithian-Liedes, als Beren sie das erste Mal in den Wäldern
von Doriath trifft, wie sie über mondbeschienene Schierlingswiesen tanzt.
Tolkien verriet nicht, was dieses Gedicht bedeuten soll. Die obige Übersetzung
enthält einige strittige Punkte und darf nur als ein (wohl eher ungenauer)
Vorschlag betrachtet werden.
Man beachte, dass sich in dieser Version der Geschichte Lúthien ihren
Beinamen Tinúviel "Nachtigall" selbst gab; in der im Silmarillion
veröffentlichten Version nannte sie als erster Beren so.
Kalt sein Hand, Herz und Gebein,
Kalt der Schlaf unterm Stein:
Nimmer steh vom Bette auf,
Eh' nicht endet der Sonn' und des Mondes Lauf,
Die Sterne zersplittern im schwarzen Wind,
Und fallen herab und liegen hier blind,
Bis der dunkle Herrscherhebt seine Hand
Über tote See und verdorrtes Land.