Ein unerwarteter Besuch
Träumend saß vor dem Kamin
die wunderschöne Eowyn.
Sie dachte an den einen Mann,
der ihr gefiel, von Anfang an.
Da klopfte plötzlich an die Tür
der Weihnachtsmann. ("Was, hier, bei mir?") Sie öffnete ihm sehr
verwirrt:
("Hat er sich in der Tür geirrt?")
Doch höflich er um Einlaß bat,
und nicht mit Komplimenten spart´.
So ließ sie ihn erstaunt herein.
Als er so stand im Lichterschein,
da schien er ihr gar sehr bekannt.
Obgleich die beiden nicht verwandt.
Hm. Tja.
Er brummte zwar in tiefem Baß,
doch Eo dachte: "Was ist das?
Der bewegt sich viel zu zackig,
nein, der ist eher jung und knackig.
Hängt auch vom Kinn herab sein Bart,
dieser Mann ist sehr apart.“
Langsam kam ihr ein Verdacht:
Ob dieser Mann wohl Scherze macht?
Warum mit ihr? Das ist nicht nett,
auch wenn sie gern Gesellschaft hätt´.
Da schlich herbei ein Katzentier,
das lebte schon sehr lange hier.
Beäugte die fremde Gestalt
und machte vor ihr erst mal Halt.
Es schaute an ihn interessiert,
streckte sich ganz ungeniert,
sprang dann empor mit einem Satz
und zog mit ihrer Krallentatz´
vom Gesicht den Bart herab,
wusch, schon war der Wedel ab...
(Und der kühne Stubentiger
nahm seine Beute mit als Sieger,
kuschelte sich vergnügt hinein
vor dem Kamin im Lichterschein. )
Sieh mal an, wer war denn das?
Truchseß Faramir stand blaß
in der alten Pelerin´
vor der verblüfften Eowyn.
Der so Ertappte sprach verlegen:
„Bitte verzeiht, ich war verwegen:
Ich wollte ein Geschenk Euch bringen
und dann ein Liedchen für Euch singen.
Doch war es wohl zu kühn von mir.“
So sprach der edle Faramir,
drehte sich betroffen um,
und schlich dann zur Türe stumm...
Da stürzte sie hinter ihm her:
"Bitte, bleibt, mein werter Herr.
Daß Ihr mich beehret mit
dem Besuch, das ist ein Hit.
Ihr wollt mir ein Ständchen bringen?
Und ein paar Lieder für mich singen?
Das will ich hören, kommt herein
und setzt Euch zu dem Feuerschein."
(Und sie denkt: „Ist er erst dort,
dann laß ich ihn nicht wieder fort…“)
Zweifelnd war sein Blick, doch dann
strahlte Eowyn ihn an.
Da weigerte er sich nicht mehr
und ging ihr folgsam hinterher.
Der Kamin wärmte den Raum,
Fari schien es wie ein Traum:
Er saß hier, bei Eowyn.
Die Welt ihm wunderbar erschien.
Sie kuschelte sich in die Decke
(sie lag auch da zu diesem Zwecke.)
„Sie friert? Das könnt´ ich ändern sicher“, dachte
Fari mit Gekicher.
Doch mochte sie auch noch so frieren,
er wagte nicht, sie zu berühren.
„Nicht, ohne Zeichen erst von ihr“,
dachte der edle Faramir.
Sie saßen also vor´m Kamin,
und sie ihm wie ein Engel schien:
Mit ihrem langen, blonden Haar
sah aus sie wie eine Valar.
Sie sprach: „Ich bin schon sehr gespannt, was man so singt im Gondor-Land.“ Und Faramir griff nach dem Sack, worin die alte Laute lag.
Er stimmte an ein schönes Lied,
sie summte glücklich leise mit.
Dann sang er sanft das nächste schon
im gleichen, wunderbaren Ton.
Sie fand seine Stimme toll
und lauschte ihm ganz sehnsuchtsvoll.
Kaum war das zweite Lied zu Ende,
klatschte sie in ihre Hände:
„Zugabe, ach bitte, mehr,
singt doch weiter, edler Herr.“
Faramir - mit Sangeslust -
warf sich glücklich in die Brust,
trällerte nun weiterhin
für seine schöne Eowyn.
Und das tat er nun fürwahr,
bis er völlig heiser war…
Nun krächzte er, das tat ihr Leid,
sie war zum Helfen gern bereit,
und kochte ihm gleich Kräutertee,
wickelte ihn von Kopf bis Zeh
in eine Decke ein geschwind,
umsorgte ihn fast wie ein Kind.
Er wollte ihr noch Manches sagen,
doch statt der Stimme sprach sein Magen, der vom Hunger ferngesteuert…
(Fari hätt´ ihn gern gefeuert…)
Sie unterdrückte rasch ein Lachen,
und brachte ihm gleich leck´re Sachen.
Gemeinsam aßen sie davon,
bis besiegt der Magenton.
Und als Lohn für den Gesang
und den wundervollen Klang
schenkte sie ihm Zimtgebäck,
Lebkuchen und Bärendreck. (=Lakritze)
Er freute sehr sich, wollte danken,
doch konnte er´s nur in Gedanken,
denn da die Stimme ihn verlassen,
mußte er beim Sprechen passen.
Wie nur sollte er ihr sagen,
dass nicht mehr hungerte sein Magen,
sondern jetzt war es sein Herz?
Und es bereitete ihm Schmerz.
Ahhhh…
Plötzlich wußte er es, „wie“:
Er hatte ein Geschenk für sie.
Gab er es in ihre Hand,
dann wußte sie, was er empfand…
So zog er wortlos nun ein Päckchen
aus dem mitgebrachten Säckchen
wie ein Zauberer hervor
und flüsterte an Eos Ohr,
daß er immer an sie denke.
Und wenn sie dieses Geschenke
nehme, er dann glücklich sei,
weil nur für sie sein Herz wär´ frei.
Da er geflüstert nur den Text,
war Eowyn etwas entsetzt:
(„Welcher Wimmer-Hansi tränke?
Und wer war hier nur "beschränke"?
Wessen Schmerz war nur Geschrei?
Und der Bückliche sei drei?")
Völlig verwirrt sah sie ihn an:
Was er damit wohl meinen kann?
Verzweifelt zeigte er die Gabe:
"Das ist alles, was ich habe..."
Doch sie hatte nur gehört:
„Hannes Rabe“, war verstört,
und schüttelte betrübt den Kopf.
Verzweifelt fuhr er an den Schopf:
“Öffnet es doch, bitte sehr…“
(“Wer löffelt hier nichts Bittres mehr?“)
„Wenn ihr es seht, dann wißt ihr es…“
(“Wer geht in Kisten ohne Streß?“)
Er verzweifelte nun fast,
dann griff er zu in stummer Hast,
reichte ihr schweigend das Paket…
Sie nahm es endlich (reichlich spät…)
In diesem Päckchen war ein Ding,
an dem er ganz besonders hing:
Gülden, wundervoll verziert...
Eowyn war ganz gerührt.
"Das war der Ring von meiner Mutter." -
"Dieses Ding ist voller Butter?"
wiederholte sie verdutzt.
Faramir verwundert stutzt:
Kann seine Liebste denn nicht deuten,
was Eheringe so bedeuten?
("Ohne Stimme", dachte er,
"ist so ein Antrag ein Malheur…")
Wie, nur wie, soll er´s ihr sagen,
soll er sie die Frage fragen?
Gebärdensprache? Faramir
versuchte es mit Gesten hier,
fuchtelte nun wild herum,
legte seine Hand dann stumm
auf´s Herz, und Eowyn in Ruh
sah ihm nur ganz verwundert zu.
(„So schlecht war doch das Essen nicht,
dass er jetzt Schmerzen kriegt und bricht?“)
Und sein Fuchteln hin und her
erstaunte Eowyn doch sehr:
(“Es war doch nur ein Humpen Bier,
verträgt so wenig Faramir?
Ist ihm denn überhaupt nicht wohl?
Ob besser ich die Heiler hol´?“)
Verzweifelt blickte er sich um,
griff nach einer Feder stumm
und kritzelte auf ein Papier:
“Es liebt Euch Euer Faramir.“
Grübelnd blickte sie darauf:
(„Was steht nur auf dem Zettel drauf?“)
Waren das denn Hieroglyphen,
die über dieses Blatte liefen?
(„Der tolle Mann“, so dachte sie,
„ist zwar ansonsten ein Genie,
doch diese Schrift - sehr ungenaue -
ist eine rechte Saue-Klaue…“)
Fari wurde langsam klar,
daß auch das Schreiben zwecklos war.
So malte er ein Paar, das küsste,
und hoffte, daß sie endlich wüsste,
was er so sehr von ihr begehrte,
und sie ihm unbewußt verwehrte.
Eowyn sah auf´s Papier:
(„Was malt denn nur Herr Faramir?
Und spielen wir jetzt Raterei?“)
“Hah, ich weiß: zwei Uruk-Hai.
Sie prügeln sich zum Spaße hier,
ist es so, Herr Faramir?“
Ihm gingen die Ideen aus,
und Faramir sah traurig aus.
Erschöpft blieb er vor Eo steh´n:
(“Wieso nur kann sie nicht versteh´n?
Und ich war grad´ so gut in Fahrt…“)
Verzweifelt schritt er nun zur Tat,
zog sie an sein Herz geschwind...
(„Bevor sie einen Fluchtweg find´t…")
Nein, mit dem Krächzen war jetzt Schluß, er gab ihr lieber einen Kuß…
So überwältigt, gab sie nach:
(„Dieser Mann, er macht mich schwach…“)
Und sie erwiderte den Kuß,
(es war für beide ein Genuß).
Er dauerte so zwei, drei Runden,
dann hatt´ die Lösung sie gefunden:
Ach, soooooo…
Ein Ring, ein Kuß beim Kerzenschein?
Das schien ein Antrag ihr zu sein.
(„Wow.
Den nehm´ ich an, und zwar sofort,
und nehme ihn sogleich beim Wort.
(Kneifen gibt es jetzt nicht mehr,
mein geliebter Gondor-Herr…)
Mit Faramir an meiner Seite
ich gerne in die Kirche schreite.
Und vielleicht…bleibt er heute da?“)
Sie wollte fragen, doch – oha:
War plötzlich hier der Uruk los,
und Onkel Theoden stand groß
und mächtig vor dem Liebespaar:
“Hier herrscht Moral, ist euch das klar?“
Fari öffnete den Mund…
Doch Krächzen war kein guter Grund,
und ehe Theo explodierte,
Eowyn der Ring nun zierte,
sie streckte ihm die Hand entgegen…
da räusperte er sich verlegen:
„Da Ihr so ernsthaft um sie freit,
um meine schöne Rohan-Maid,
und ihr sie wollt als Ehefrau
(dass sie Euch will, weiß ich genau…),
dann gebe ich Euch meinen Segen,
hab´ absolut auch nix dagegen.“
(„Ich bin zufrieden mit der Wahl,
Bewerber gab´s in großer Zahl,
doch da die Kochkunst ziemlich schlecht, war das nicht jedem Manne Recht.
Doch ein Truchseß mit viel Geld,
sich sicher eine Köchin hält…“)
Uff…
So hatte Mutters Ehering
(an dem gar keine Butter hing…)
die beiden noch einmal gerett´…
(und Theoden ging nun zu Bett…)
Zwar war´n die Beiden nun allein,
doch fiel es ihnen seufzend ein:
Der gute Ruf ist leider Pflicht,
so darf er bleiben...leider nicht…
Nun denn.
Nach einem langen Abschiedskuß
Faramir nun gehen muß.
Er holte Gandalf aus dem Bett
(…und der fand das gar nicht nett…),
weil er schon am nächsten Tage
stellen wollte seine Frage
an Eo, und der Freund gab nach.
(„Und dafür macht der Kerl mich wach?
Der hat´s ja eilig mit der Ehe,
wenn ich da die And´ren sehe…
Ach, egal, wenn er es will,
trau´ ich die beiden in der Still…“)
Und so fand am nächsten Tag
die besagte Trauung statt…
Nachdem gegurgelt er die Nacht,
war seine Stimme neu erwacht,
man konnte ihn sehr gut versteh´n,
und Eo´s „Ja“ klang laut und schön.
Beim Tragen über ihre Schwelle
lag leider grad´ an dieser Stelle
die Katze, fast wär´ er gefallen.
Sein Schrei klang laut durch alle Hallen…
Gäste waren mehr gekommen,
als zuerst man angenommen.
Der Geschenkeberg, er krachte
zusammen, als man zu laut lachte.
Denethor nur brummend trohnt´
auf seinem Stuhl (man war´s gewohnt…).
„Das waren zwei verrückte Tage“,
dachte Eo, „keine Frage“.
Und schließlich, in der Hochzeitsnacht,
das Bett dann noch zusammen kracht…
Da kicherten die zwei vergnügt:
(„Ob das an uns´rem Feuer liegt?
Bei Leidenschaft von Frau und Mann
doch so ein Bett nicht halten kann.
Wir schlafen auf dem Boden, ehrlich,
denn so ein Bett ist zu gefährlich…“)
So alberten sie in der Nacht,
und was sie sonst noch so gemacht,
das verrate ich euch nie…
(Ihr habt doch eure Phantasie…)
Doch einen Tipp für euch, zum Schluß:
Wenn jemand von euch singen muß,
dann achte er auf seine Stimm´,
wenn man verliert sie, ist es schlimm…
Ende
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